Brunnen und Quellen zwischen Mulde und Elbe

Nachdem die Vorstellung bemerkenswerter Brücken, Türme, Bäume und Biberbehausungen des Naturparks Dübener Heide unter unseren Lesern viel Anklang gefunden hat und auch die jeweiligen Übersichtskarten gefielen, möchte die Redaktion das heute fortsetzen. Brunnen und Quellen gestalten unsere Landschaft ganz wesentlich, manchmal sind sie einfach gestaltet, oft aber auch großartige Kunstwerke.  Wasserspender wirken auf uns wie ein Magnet, nicht nur Kinder sind versucht, ihre Hände einzutauchen. Brunnen bringen Leben in Städte und Dörfer, oft sind sie Treffpunkt und Ruheplatz; stößt man im Wald auf eine Quelle, ist es eine willkommene Aufforderung zur Rast mit Labsal von Mutter Natur. Schauen Sie, welch schöne Exemplare die Region zu bieten hat, schon bald werden diese für Sie interessante Ausflugsziele sein.
Noch ein Wort: Ob Brunnen oder Quelle- die Namen verwirren schon mal. So sind die Gesund-“brunnen“ bei Bad Düben und Burgkemnitz sicher Quellen. Sei es wie es sei, wir sind uns sicher, sie werden das Richtige herausfinden. Dabei wünschen wir viel Spaß!

Der Hirtenborn in Dahlenberg
Er befindet sich am Dorfende in Richtung Staussee und Hachemühle, neben dem Dorfanger.
Der Brunnen wurde früher als Tränke für das Vieh genutzt. 1992 richtete die Gemeinde ihn als kleine Anlage wieder her. Dazu schuf Bruno Kubas einen lebensgroßen Hirten mit 13 Schafen, die sich unter seinem weiten Mantel verstecken. Eine Entenfamilie, ein Fuchs und ein Biber ergänzen das prächtige Ensemble. Eine Naturbank lädt an diesem romantischen Ort zum Verweilen ein.

Der Nachbarbierbrunnen in Dahlenberg
Leider ist es nur Wasser und kein Bier, was aus dem Nachbarbierbrunnen herausläuft, aber das wäre wohl auch zuviel verlangt. Außerdem kann man das Bier in den umliegenden Gaststätten nachholen!
Zuhause im Ort, an der Pleckmühle, hat der Bildhauer Bruno Kubas mit diesem Brunnen der Tradition des Nachbarbiers ein Denkmal gesetzt, wie es nicht schöner sein kann. Es spiegelt das Treiben der Dorfbewohner auf diesem Fest auf humorvolle Weise wider.
An dem 3,50 Meter  hohen Keramikbrunnen stellt Bruno Kubas bäuerliche Gestalten derb und zugleich liebevoll dem Auge des Betrachters dar. Immer aufs Neue entdeckt man skurrile Einzelheiten, die zum Schmunzeln und Lachen anregen. Untermalt von sinnigen Sprüchen öffnet sich eine Seite des Dorflebens, ohne die ein Dorf kein Dorf ist.
Ein Spaziergang auf dem Naturlehrpfad führt zum idyllischen, nicht weit entfernten Hirtenborn.

Die Brunnen in Roitzsch
Direkt am Torgischen Weg befindet sich ein schönes Fleckchen - der Schafteich. Da er keinen Zufluss hat, wurden drei Brunnen angelegt, die ihn unter Ausnutzung des Gefälles mit frischem Wasser speisen. 
Die Brunnen sind mit Natursteinen eingefasst. Eine Handpumpe ermöglicht es, sich an dem kühlen Nass zu erfrischen.
Auf einem Trimm-Dich-Pfad kann man sich an zehn verschiedenen Disziplinen sportlich betätigen. Danach laden Bänke zum Entspannen oder Verweilen ein.

Der Torgauer Marktbrunnen
Über Hundert Jahre plätschert es schon auf dem Marktplatz. Bis 1939 war es die im Volksmund genannte „Nasse Minna“ aus der Kaiserzeit. Anfang 2000 wurde unter Mitwirkung der Bevölkerung ein künstlerischer Wettbewerb für einen neuen Brunnen gestartet. Schließlich standen sieben Varianten zur Auswahl. Der Entwurf von Erika Harborths „Narren und Musikanten“ wurde schließlich ausgewählt.
Im Zentrum des Brunnens steht eine überlebensgroße Figur des Torgauer Hofnarren Claus Narr. Daneben sind weitere Figuren angeordnet: zwei Musikanten speien aus ihren Instrumenten Wasser, ein (Torgauer) Bär und der Hund Lepsch des Claus Narr. Alle Figuren sind Bronzeplastiken und Vorbildern der Renaissance nachempfunden.

Der Marktbrunnen in Eilenburg
Eine Sage der Gebrüder Grimm berichtet, dass das kleine Volk auf der Eilenburg einst ein Hochzeitsfest halten wollte. Die lustige Gesellschaft wurde jedoch durch die Gräfin gestört und verließ den Saal. 
Seit dem wurde der Fluch: “Weil aber unsere Freude und unsere Hochzeit so gestört worden ist, soll fortan Euer Geschlecht nie mehr als sieben Eilenburger zählen“ wahr.
Diese Sage bewegte den Bildhauer Michael Weihe zur Gestaltung des Eilenburger Marktbrunnens im Jahre 2000.
Sechs erstarrte Ritter stehen versteinert und verwunschen um ein springendes Heinzelmännchen. Der realistisch aus Bronze modellierte Zwerg steht in einem spannungsvollen Kontrast zu den großen Rittern. Durch seine Lebendigkeit hebt er sich hervor. Die wasserspeienden Ritter stehen geradezu auf einem Tablett, so ist die Anlage zu begehen.
Am Rande des Brunnens ist die Sage in Kurzform umlaufend zu lesen.

Der Gänsebrunnen von Dommitzsch
Der Marktplatz mit dem Gänsebrunnen erzählt von einer alten Geschichte, die der Stadt auch den Namen „Gänsedommsch“ einbrachte.
So wurden in Dommitzsch noch bis 1950 fast in jedem bäuerlichen Haushalt Gänse gehalten. Frühmorgens trieb eine Gänsemagd oder ein Gänsehirte alle Gänse auf den Gänseanger, wo die Tiere bis zum Abend verblieben. Das Kuriosum war- alle Dommitzscher Gänse fanden abends den Weg wieder allein nach Hause! Man stelle sich den Spaß mit dem Geschnatter mal bei dem heutigen Autoverkehr vor!
Dieser Geschichte ist die Hauptfigur des Brunnens gewidmet. Im Brunnenring stellt der Künstler Bruno Kubas das Leben und Treiben der Dommitzscher dar. Der Betrachter braucht schon ein paar Minuten, um die Aussage der Figuren zu erfassen.
Die Einweihung 1983 bildete den Auftakt für das nun schon traditionelle Gänsebrunnenfest, welches am letzten Wochenende im Juni die Besucher anzieht.

Der Gesundbrunnen bei Bad Düben
Die Grundwasserquelle zwischen Bad Düben und Söllichau am Spatenweg hat schon seit hundert Jahren bei Ausflüglern einen guten Ruf. „Mit altem Brauch wird nicht gebrochen, hier können Familien Kaffee kochen“ heißt es auf einer  Ansichtskarte aus den zwanziger Jahren. Heute ist der Gesundbrunnen alljährlich Ziel einer schönen Sternwanderung des Vereins Dübener Heide.
Manche Sage rankt sich um den Ort. So soll sich ein kranker Schmiedegeselle auf dem Wege nach Düben verirrt haben. Zorniges Sprechen schreckte ihn auf, und er sah wie sich ein winziges Männlein mit einem vergrabenen Stein abmühte. Trotz seiner Schmerzen bot der Bursche seine Hilfe an, grub den Stein aus, trug ihn zu einer Quelle und warf ihn hinein. Das Wasser spritzte auf und färbte sich bald trüblich-gelb. Der Wicht wies dem Gesellen den Weg, und als der, sich mühsam dahin schleppend, zu Hause ankam, stand schon ein Krug mit dem gelblichen Wasser auf dem Tisch. Sooft der Kranke einen Schluck daraus nahm, gesundete er mehr und mehr.
Das Wasser ist eisenhaltig, natrium- und nitratarm und hat auch später manchen Wanderer erfrischt und „gesundet“.

Der Marktbrunnen von Bad Düben
Er prägt mit den umgebenden Bäumen und Bänken den Marktplatz der Kurstadt. Bald wird das gesamte Ensemble mit den schmucken Bürgerhäusern und dem restaurierten Rathaus eine Augenweide sein. 
In der Mitte des achteckigen Brunnenbassins erheben sich zwei übereinander stehende prismatische Sockel, auf denen eine Schale ruht. In ihrer Mitte steht eine Säule, deren vier Seitenflächen mit je einem Löwenkopf geschmückt sind. Sie speien Wasser in die Schale und bringen sie so zum Überlaufen.
Darüber sitzt eine mit Ornamenten verzierte Säule aus Sandstein- übrigens das älteste Stück des Ganzen im Stil der Renaissance. Künftig soll noch eine auf dem Kapitell stehende Persönlichkeit aus der Dübener Geschichte den Abschluss bilden.

Die Röhrkästen in Söllichau
Wunderschön sehen sie aus, die Söllichauer Röhrkästen, die entlang der Hauptstraße zu sehen sind. Munter plätschert unaufhörlich Wasser aus den Röhren in die darunter stehenden Becken. Seit dem 17. Jahrhundert laufen die von Oberflächen-Quellwasser aus höher gelegenen Wiesen gespeisten Brunnen. Von ursprünglich fünf sind heute noch vier in Funktion zu bewundern. 
Söllichauer Bürger gaben den Röhrkästen neue „Gesichter“ und gestalteten sie attraktiv. Der uralte steinerne Trog gegenüber dem Friedhof, früher als Viehtränke genutzt, wurde belassen.
Die Zuleitungen, Eichenrohre von etwa drei Meter Länge, waren mit Löffelbohrern ausg
ehöhlt worden. Im Landschaftsmuseum auf Burg Düben ist ein Stück davon zu sehen.

Der Marktbrunnen von Gräfenhainichen
Am 25. April des Jahres 1996 wurde auf dem neugestalteten Marktplatz vor dem prächtigen Rathaus ein Springbrunnen feierlich übergeben. Durch den Bildhauer Christof Traub erschaffen, war es war für die Stadt die Geburt eines neuen Wahrzeichens. Die Figuren des Brunnens- sie stellen die Urgewalten: Feuer, Wasser und Wind dar- stehen auf Sandsteinsäulen. Bänke umrahmen ihn und laden dazu ein, in Ruhe das Wasserspiel zu genießen. Das Flair des Marktplatzes krönt einen Ausflug in das schöne Gräfenhainichen.

Der Springbrunnen in Möhlau
In Kleinmöhlau, Ecke Sollnitzer Straße/ Altjeßnitzer Straße ist er seit Jahren ein Anziehungs- und Treffpunkt für Jung und Alt. Er ist groß genug, dass im Hochsommer die Kinder schnell einmal zur Erfrischung hinein springen können. Entstanden ist der Brun
nen auf dem Gelände zweier Teiche. Einer von ihnen, vom Mühlbach gespeist, diente als Wasserspeicher für die Mühle. Inzwischen ist sie eine Ruine und die Teiche sind dem Straßenbau gewichen. Schön ist, dass dort eine Anlage entstanden ist. Mit dem Springbrunnen, Rasenflächen, Bänken und Spazierwegen ist sie ein Schmuckstück von Möhlau.

Der Wilhelmsgrubenquell mitten in der Heide
Von 1820 bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde ganz nah am Bauerhaus Braunkohle gefördert. Sie wurde mit Pferdefuhrwerken über den Ort Schwemsal zum Alaunwerk nahe der Stadt Düben gefahren. Es war wohl die Wilhemsgrube, aus der die Kohle geborgen wurde. An diese Zeit erinnert auch noch die Ortsbezeichnung „Kolonie Gniest“.
Am Ort des Abbaues finden wir heute eine mit schönem Laubwald bestandene Senke, in der sich das Wasser der nahen Quelle sammelt. Am vorbeiführenden Wanderweg Radis- Söllichau (gelbe Markierung) lädt eine Sitzgruppe zur Rast ein.
Aber auch von Schköna oder vom Waldparkplatz am Berthagrab an der  B 2 aus kann man den Wilhemlsgrubenquell nach jeweils drei Kilometern Fußmarsch bequem erreichen.

Der Trinktempel in Bad Schmiedeberg
Neben dem Naturmoor hat Bad Schmiedeberg mit den beiden Mineralwässern, dem Kurfürstenbrunnen; ein Natrium- Hydrogencarbonat- Sulfat- Wasser, und dem Margarethenbrunnen; ein Natrium-Wasser, ein zweites ortsgebundenes Standbein natürlicher Heilmittel. Auf der Kurpromenade stehen beide Mineralwässer auch den Touristen zur Verfügung. Es sind Schmelzwässer der letzten Eiszeit mit einem hohen Mineralgehalt. Insbesondere der Kurfürstenbrunnen mit einem Radonanteil ist ein nicht alltägliches Heilwasser. 

Das Jungfernröhrwasser zu Wittenberg
Die Lutherstadt besitzt von den ehemaligen fünf mittelalterlichen Röhrwasserfahrten mit dem noch heute fließendem „Altes und Neues Jungfernröhrwasser“ ein einmaliges technisches Denkmal. 
Es begann mit der „Schlossröhrfahrt“, die Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige in den Jahren 1542/ 1543 anlegen ließ. Die selbständigen Wittenberger Bürger wollten bald danach ihr eigenes Röhrwasser haben. 
So entstanden Röhrwassergenossenschaften, die Quellwasser erschlossen und durch Holzrohrleitungen mit natürlichem Gefälle in die Stadt leiteten. Das Wasser wurde dann in Portionen an Brunnen abgegeben.
Bei einem Spaziergang kann der Besucher noch 22 der manchmal nur funktionellen aber auch oft künstlerisch gestalteten Brunnen sehen und sich erfrischen. So in der Collegienstraße, der Schlossstraße, im Lutherhaus, im Hof des Melanchthonhauses und natürlich am Markt. Übrigens, dem hochgeachtetem Bürger Philipp Melanchthon schenkten die wohlhabenden Bürger die achte Portion des Röhrwassers.

Die Weinbergsquelle vor Bad Schmiedeberg
Verlässt man die Kurstadt in südlicher Richtung, befindet sich ausgangs des Ortsteils „Weinberge“ in einer scharfen Rechtskurve eine kleine Quelle. Das wohlschmeckende Wasser hat schon manchen müden Wanderer erfrischt und für viele gute Tassen Kaffee der Bewohner der umliegenden Häuser gesorgt. Als weitere Namen der Quelle sind das „Röhrchen“ und auch die „Otto-Krelle-Quelle“ bekannt. Er war ein früherer Schmiedeberger Bürgermeister und veranlasste, dass die Quelle in den zwanziger Jahren gefasst wurde. Das Wasser tritt als Schichtquelle der umgebenden Höhen hier ans Tageslicht.

Der Gesundbrunnen Burgkemnitz
Mächtige Eichen und Buchen säumen den Brunnen. Kaum dringt Sonnenlicht durch das dichte Blätterwerk. Aus einem Porphyrquader quillt das Wasser, sammelt sich im Becken und fließt schließlich über ein Gerinne in den nahen Bach. Ein Platz zum Rasten und Träumen. 
Am schönsten ist es am frühen Morgen; einfach die Augen schließen und dem Vogelgezwitscher lauschen. Später erwachen die Hunde im nahen Dorf und mahnen, die Wanderung fortzusetzen.

Wie kommt man zum Gesundbrunnen? Ab dem Burgkemnitzer Bahnhof auf dem Heidekammweg. Markierung grünes Dreieck beachten, Wegstrecke zirka 800 Meter, oder ab dem Parkplatz vor dem Schloss in Richtung Arborethum, dann Wegweiser beachten.


Quelle: Ferienland Dübener Heide


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