Die Dübener Heide - Landschaft und Natur
Von Herbert Meyer, Lubast
  

Zwischen den Flußauen der mittleren Elbe im Nordosten der unteren Mulde im Süd-westen liegt mit der waldreichen Hochfläche der Dübener Heide eine der auf kleinstem Raum wohl abwechslungsreichsten Heidelandschaften im Grenzbereich von Sachsen und Sachsen-Anhalt.
Jährlich zieht es eine Vielzahl Besucher in die Heide, die hier Ruhe und Entspannung bei ausgedehnten Wanderungen, auf Rad- und Kremsertouren finden.
Im Naturpark finden die Besucher neben beliebten Urlaubs- und Erlebniszentren aber vor allem auch Bereiche ungestörter Natur und reizvoller Landschaft in den Natur- und Landschaftsschutzgebieten.
Diesen unersetzbaren Reichtum gilt es zu schützen und zu erhalten, um die Lebensräume der heimischen Tier- und Pflanzenwelt zu bewahre und den Menschen, den Besuchern der Heide, zugänglich zu machen
Jahrmillionen hat die Natur gebraucht, um dieses unverwechselbar, einmalig schöne, reizvolle Landschaftsgebiet zu formen.
Umgeben im Norden und Süden von den gewaltigen Zügen des Wroclaw- Magdeburger Urstromtales, ragt die Dübener Heide etwa 100 Meter aus diesem unverbaut heraus.
Vor zirka 250.000 Jahren, in der sogenannten Saaleeiszeit, dehnten sich die in Skandinavien liegenden Gletschermassen weit über ihr Ursprungsgebiet aus und überdeckten das nördliche Mitteleuropa. In der vorangegangenen sogenannten Elstereiszeit hatten sich ebenfalls schon Eismassen über dieses Gebiet geschoben, bis etwa an den Nordrand des Erzgebirges. Zwischen beiden Eiszeiten schob sich ein Rückzug des Eises bis zur Elbe, etwa an die Linie Torgau/Wittenberg/Dessau. Die maximale Eisausdehnung der Saaleeiszeit reichte ungefähr bis in den Frohburg/Colditz/Döbeln.
Am Verlauf dieser Eismassenbewegungen kam es zu bis 500 Meter hohen Eisüberdeckungen.
Die Bewegungen und die Auflast des Eises wirken in unterschiedlicher Weise auf den Untergrund. Beispiele dieser Gletscherdynamik sind die Dübener Stauchungszone im Süden und die Schmiedeberger Stauchendmoräne. In beiden Gletscherzugendbecken schob das Eis den Untergrund halbkreisförmig zusammen.
Gegen ende der Saaleeiszeit vor zirka 130.000 Jahren bildete sich dann endgültig das heutige uns bekannte Relief der Heide heraus. Auch das Gewässernetz in uns bekannten Form entstand, nachdem sich die Flüsse neue, aber endgültige Wege durch die saaleeiszeitlichen Schottermassen bahnen mussten. Endmoränen bilden heute die höchsten Erhebungen mit der Hohen Gieck (193,40 Meter), dem Wurzelberg (182 Meter). Das Endmoränengebiet der Heide ist das Siedlungsgebiet des Traubeneichen-Rotbuchenwaldes. Von Natur aus würde diese Gesellschaft weite Flächen bestocken. Die besonders in den letzten Jahrhunderten zunehmende forstliche Nutzung hat diese Bewaldung weit zurückgedrängt. An diese Stelle traten ausgedehnte Kiefernforste.
Den Beginn dieses „Waldumbaues" kann man in die Zeit der Herrschaft des Kurfirsten Moritz von Sachsen und seines Sohnes, dem späteren König August dem Starken, legen.
Besonders jedoch prägten die ab1815 (nach dem Wiener Kongress) in den Besitz der Heide gelangten Preußen das Bild der Heide. Die Forstwirtschaft entwickelt sich mehr und mehr zu einem Erwerbszweig und wurde besonders in den 40er Jahren nach dem 2. Weltkrieg fast zu einem Industriezweig ausgebaut.
Die großen ausgedehnten Kiefernwälder finden wir vorrangig auf den großen Sandflächen im Westen und Süden.
Auf feuchten nährstoffreichen Standorten fanden sich Schuppenwurz-Eichen-Hainbuchenwälder, während die nassen, amoorigen bis moorigen Standorte die Siedlungsgebiete der Erlen-Eschenwälder und Erlenbruchwälder sind.
Die Flora der Dübener Heide setzt sich, bedingt durch höhere Niederschläge mit zirka 600 Millimeter im Jahr im zentralen teil, von der umgebenen Landschaft ab, die meist weniger als 100 Millimeter Niederschlag im Jahr erhält.
Das Schmiedeberger Endmoränengebiet ist heute Wasserscheide zwischen Elbe und Mulde. Der wohl größte Unterschied zu vergleichbaren Landschaften wie dem Fläming besteht im Reichtum an Quellen, Bächen, Flüssen und Rinnsalen. In dieser wasserreichen, hügeligen Landschaft gab es auffallend viele Wassermühlen. Besonders in den beiden Bachtälern, dem Fliethbach- und dem Hammerbachtal, finden wir noch Zeugen dieser alten Energiegewinnungstechnik, unter anderem bei Tornau, Bad Düben, Reinharz, Ateritz und Lubast.
Nicht wenige fließende Gewässer haben ihren Ausgang in einem der zahlreichen Moore.
Als Ergebnis eiszeitlicher Abschmelzvorgänge bildeten sich Seen, Teiche und Tümpel, die mit der Zeit verlandeten  und reichlich Torf und Moorerde hinterließen.
Bachnamen (Schwarzbach usw.) erklären sich mit der dunklen Farbe des abfließenden Moorwassers. Die zwei bedeutsamsten Moore - der Zadlitzbruch und Wildenhainer Bruch - sind heute im sogenannten Presseler Heidewald- und Moorgebiet zu einem Naturschutzgebiet zusammengefasst. Wollgras, fleischfressender Sonnentau, Preisselbeeren, Farn und vieles mehr sind die Vertreter einer selten gewordenen Moorflora. Reiher haben hier ihren Lebensraum, Kraniche ihren südwestlichsten Brut-, Sammel- und Rastplatz. Scharen von Wildgänsen fliegen auf ihrem Zug nach Süden hier ein.
Am Ende Der Saaleeiszeit wurde ein besonders reizvolles und anmutiges Tal geschaffen. Inlandeis schmolz ab und es sammelte sich in der Mulde ein großer Stausee, welcher der Schmiedeberger Endmoräne nachgelagert war. Diese Wassermassen durchbrachen im Laufe der Jahrtausende das Land zur Elbe hin, und die Reste dieses postglazialen Stausees kennen wir als Teiche.
Es finden sich viele Sachzeugen für Siedlungsstrukturen während der Lausitzer Kultur und der slawischen Zeit. Auf den Sandlößböden entstanden kleine Siedlungen mit hübschen Feldsteinkirchen (Meuro, Gommlo, Ogkeln), zumeist mit romanischem Ursprung. Ackerbau wird dagegen aber nur kleinflächig betrieben, denn die Bodenqualität des Heidegebietes bleibt deutlich hinter vergleichbarem zurück.
Zahlreiche, vor allem in Kriegszeiten wüst gewordene Dörfer und Ackerflächen sind bis heute verlassen geblieben ( man achte auf die häufige Bezeichnung Wüstemark). Demzufolge bietet sich die Heide mit sehr dünner Besiedlung dar. Größere Ansiedlungen wie Städte entstanden und bestehen ausnahmslos am Rande der Heide.
Der Lebensunterhalt der Heidebewohner entsprach der Eigenart der Landschaft. Sie ernähren sich von den Früchten der Wälder und den kargen Erträgen des mühevollen Ackerbaus.
Häusler und Tagelöhner fällten Brennholz, brannten Pech und Kohle, banden Besen, machten Quirle und Kienspäne und verdingten sich bei den wenigen Grundbesitzern. In manchen Orten gab es Korbmacher, Schindelmacher (Splitthacker) und Töpfer.
Auch die Moorgebiete gaben zeitweise Broterwerb durch Trockenlegung und Moorstich. Die landschaftstypischen Handwerke sind so gut wie nicht mehr vorhanden. Die letzte Schindelmacherei schloß 1988 in Krina. Töpferei wird noch in Lubast und Radis betriebe, und der letzte Heideköhler stellt seine Holzkohle längst i Großbehältern aus Stahl und Beton her.
Im Industriezeitalter fand man Arbeit im zunehmenden Braunkohlebergbau, der sich rings um die Heide entwickelte.
Auch die Chemieriesen in Bitterfeld und die sich mitentwickelnde sogenannte Umgebungsindustrie bestimmten zunehmend das Leben der Menschen in der Heide und machten es erträglicher.
Viel haben die Menschen in der Heide erlebt. Schwarze Zeiten durch Kriege, Umwelt- und Naturkatastrophen brachen vernichtend über Landschaft herein.
Auch die vermeintlich positive Entwicklung der Industrie stellte sich im Verlauf der Geschichte als eher belastend oder gar gefährdend dar. Schadstoffbelastungen durch die chemische Industrie, Wasserentzug oder Störung des hydrologischen Gleichgewichts durch nahenden Braunkohleabbau waren neben vielen anderen die Hauptgefährdungsquellen für unseren Landschaftsraum. Trotzdem Überstanden Menschen und Natur in bewundernswerter Weise. Der Naturpark" Dübener Heide" stellt sich uns heute als größtes zusammenhängendes Waldgebiet dar, das sich in Mitteldeutschland erhalten hat. In der Nähe der Ballungsräume Leipzig/Halle/Bitterfeld/Wittenberg/Dessau ist die Heide die „Grüne Lunge Mitteldeutschlands", beliebt als Ausflugs- und Erholungsgebiet, hervorragend für einen sozialverträglichen Tourismus (Wandern, Radfahren, Reiten) geeignet.
Markierte Wanderwege führen durch die landschaftlich schönsten und kulturhistorisch interessanten Gebiete im Naturpark.

Zum Erhalt dieser einmalig schönen Lebens- und Erlebnisraumes,
dem Naturpark „Dübener Heide", setzen wir uns ein.
Wir, der „Verein Dübener Heide".

Quelle: Jahrbuch Dübener Heide 1999 , mit freundlicher Genehmigung "Verlagshaus Heide Druck"

 


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