Moore im Naturpark „Dübener Heide" - ein kostbares Gut der Natur
Von Elfriede Jentzsch, Patzschwig
   

Unser Weg führt uns von einer der modernsten Moorküchen Deutschlands, welche 1998 in Bad Schmiedeberg in Betrieb genommen wurde, über die sogenannte „Moortaschen" Vor Moschwig in einmalig schöne und interessante Moorgebiete des Naturpark „Dübener Heide".
Die Moore waren die Grundlagen für das Bäderwesen in den Heidestädten Bad Schmiedeberg, Bad Düben und ehemals auch Pretzsch. In Unserem Gebiet entstanden die Moore vor 6000 bis 10000 Jahren. Der Moorbildungsprozess findet bei den entsprechenden Bedingungen immer noch statt (unvollständige Zersetzung von organischen Substanzen infolge Luftmangels durch überschüssiges Wasser). Die Eiszeit dazu die Vorarbeit geleistet: Bodenmulden, vor allem zwischen den Endmoränenzügen, füllten sich mit Schmelzwasser, alte Flussarme verlandeten. Im Schlamm dieser Senken fanden sich Pflanzen und Tiere ein, welche sich nun unvollkommen zersetzen konnten, da der Wasserüberschuss ihnen die Luft abschnitt. Auch durch das Wirken einer Vielzahl von Bakterie werden Wasserstoff, Sauerstoff, Und Stickstoff immer weniger, dagegen nehmen die Kohlenwasserstoffe zu. Wenn die Huminsäuren (zirka 60 % Kohlenstoff, 30-40 % Sauerstoff, 4 % Wasserstoff, 2 % Stickstoff) überwiegen, kann man von Vertorfung sprechen. Landläufig setzen wir die Begriffe ´Torf` und `Moores`. Von der Moorfläche spricht man, wenn die Torfschicht mindestens 30 Zentimeter beträgt (Meyers Lexikon).
Dort, wo die feuchtigkeitliebenden Pflanzen des Moores ihren Wasserbedarf aus stehenden Gewässern decken, entstehen die „Flachmoore" (Niedermoor, Ried). Dieses Grundwasser ist gewöhnlich nährstoffreich, da es ja Verbindung mit den darunter liegenden Erdschichten hat. Entsprechend haben sich auch hier, was den Nährstoffbedarf betrifft, anspruchsvollere Pflanzen angesiedelt. Die „Hochmoore" dagegen (Torfmoore, Heidemoore) beziehen überwiegend über Niederschläge ihre Feuchtigkeit. Regenwasser ist nährstoffarm, und die dort lebenden Pflanzen sind Ernährungskünstler bei der Beschaffung ihres Nahrungsbedarfes. Natürlich gibt es auch „Übermoore", d.h. sei beziehen ihren Wasserbedarf aus beiden „Quellen". Diese Grobeinteilung wird durch die natürlichen Bedingungen, wie Standort, wie Klima usw., im höchsten Maße noch zerfächert. Der Moorlehrpfad des Eisenmoorbades Bad Schmiedeberg gibt auf einer Tafel gegenüber der Moorküche einen Überblick. Danach beträgt die Hochmoorfläche in Deutschland 3715 Quadratkilometer, die Niedermoorfläche 10.356 Quadratkilometer. Das entspricht einem Gesamtvolumen von 2,5 Milliarden Kubikmetern Moor. Die Moore nehmen 4 % der Festlandfläche der BRD ein. 95 % der Niedermoore und 60 % der Hochmoore werden land- und forstwirtschaftlich genutzt. Ungefähr 60.000 Hektar sind naturbelassene und naturnahe Moore.
Das Bäderwesen in Deutschland hat einen jährlichen Bedarf von ungefähr 200.000 Tonnen Moor. Bei einer Dreiwöchigen Kur werden für einen Patienten durchschnittlich 450 Kilogramm Verbraucht, wobei der Anteil von Frischmoor zu Lagermoor ( aus den Moortaschen) eines zu eines beträgt. Es ist also sparsamster Umgang mit Moor gefordert. Das führt seit Bestehen des Bäderwesens dazu, abgebadetes Moor nach einer gewissen Lagerungszeit (fünf bis zehn Jahren) wiederzuverwenden.
Deshalb gibt es in der Nähe der Kurbäder die sogenannten „Moortaschen". Das sind einfache Erdbecken, die durch Aufschütten eines Erdwalles entstanden sind.
In Bad Schmiedeberg stellte man nun fest, dass unverhältnismäßig viel Feuchtigkeit über diese Dämme seitlich versickert, und in trockener Zeit das Moor stark austrocknet. Wertvolle Bestandteile verschwinden über das versickernde Wasser. Das sollen Jetzt sechs große Stahlbetonbecken mit einem ausgeklügeltem Drainagesystem verhindern . Zudem ist eine natürliche Kläranlage vor dem Wasserabfluss in den Mühlengraben errichtet worden, damit das Wasser geklärt seinen Weg in die Elbe fortsetzen kann. Die Nutzung des Torfes für medizinische Zwecke ist in Europa seit über 180 Jahren bekannt (Marienbad/ Franzensbad). In Bad Schmiedeberg wurden offiziell 1878 damit begonnen.
Der Moorabbau erfolgte vor allem an der Walkmühle (Weinbergstal), am Pfarrdamm (Vorderheide/Moschwig) und am Grenzgraben (Rote Brücke/Buche) bei einer Mächtigkeit bis zu 2,50 Meter. Das Pretzscher Moorbad holte sich aus dem Moorvorkommen um Runcwitz (Merkwitz/ Gaditz) seinen Bedarf. Die Mächtigkeit der Torfschicht beträgt hier lediglich 0,30 bis 1,50 Meter. Ebenso wurde Moorwiesen bei Merschwitz/ Kleinzerbst genutzt. Zuvor wurde das Moorvorkommen zwischen Splau und Pretzsch (gegenüber der FA. Winkler) abgebaut (Mächtigkeit von 0,30 bis 0,80 Meter).
Die Größte Abbaufläche jedoch befindet sich im „Zadlitzbruch" und im „Wildenhainer Bruch" mit einer Mächtigkeit von drei bis vier Metern.
Leider müssen wir feststellen, dass nach dem Moorabbau in den seltensten Fällen eine gezielte Renaturierung eingeleitet wurde: unter Beibehaltung einer Resttorfschicht, welche das Versickern oder Abfließen des Wassers verhindern bzw. verringern soll, müsste eine Wiedervernässung erfolgen, indem das künstlich geschaffene Entwässerungssystem wieder lahmgelegt wird. Den weiteren Wachstumsprozess übernimmt die Natur selbst. Aber leider wurde in den meisten Fällen das Gegenteil praktiziert. Die Gräben wurden weiter vertieft und somit das Gelände für eine intensive Bewirtschaftung hergerichtet. Damit ist der Moorbildungsprozess unwiederbringlich verloren. In den alten Moorstichen um Bad Schmiedeberg, Pretzsch und Runcwitz finden wir noch Reste des alten Moores und neue Moorbildungen. In einem Gebiet von 84 Hektar sind „Zadlitzbruch" und von 180 Hektar im „Wildenhainer Bruch" die beschriebenen Moorentwicklungen in ihrer Vielfalt zu studieren.
Die Moore sind heute noch Refugium für eine einzigartig an dieses Ökosystem angepasste Pflanzen- und Tierwelt. Das Moor gibt ihnen ihre speziellen Lebensbedingungen und sie selbst tragen durch Wachsen und Absterben zur Fortentwicklung des Moores bei. Unter unseren klimatischen Bedingungen kann man mit einem Wachstum von zirka einem Millimeter pro Jahr rechnen. Durch Entwässerung stirbt das Moor als Lebensgemeinschaft. Es sterben die dort angepassten Lebewesen aus, vor allem die Pflanzen. Tiere versuchen sich in ähnlicher Lebensräume zu retten.
Wo aber können z.B. Schnepfenvögel schon so ein reichhaltiges Nahrungsangebot an Ringelwürmern, Egeln, Insekten mit ihren langen Schnäbeln aus dem Sumpf erstochern, und wo schon finden sie für ihr Brutgelege solche ungestörten Plätze wie auf den unzugänglichen Moorflächen? Ausgetrocknete Moore werden auch immer insektenärmer. Was aber soll dann aus den fleischfressenden Pflanzen werden, wie z.B. dem Sonnentau oder Wasserschlauch? Da das nährstoffarme Moor ihnen nicht genügend Nahrung über das Wurzelsystem zuführen kann, funktionieren die ihren Blättern sitzenden Drüsenhaare als Fangvorrichtungen, und so holen sie sich den notwendigen Stickstoff aus dem Eiweiß der Tiere. So kann sich auch das Torfmoos, welches den Hauptanteil der Hochmoore ausmacht, nur im sauren Milieu der Moore entwickelt und zugleich durch seine Existenz für den Säuregrad der Moore: Bei der Aufnahme von Nährstoffen gibt es Wasserstoffionen ab, die ja die saure Reaktion des Wassers bewirken. Es schafft sich seinen notwendigen ph-Wert von Zirka vier selbst.
Die Moore bestehen, infolge ihrer enormen Fähigkeit, Wasser schwammartig festzuhalten, bis zu 90 % aus Wasser. Durch dieses Wasserhaltevermögen wiederum schafft sich das Moor sein spezifisches Kleinklima - langsame Erwärmung und langsames Reagieren auf Klimaschwankungen. Unter solchen Bedingungen fühlt sich z.B. das Wollgras besonders wohl und bildet ausgedehnte Teppiche und zählt somit auch zu den wichtigen Torfbildnern. Dieses spezielle Kleinklima veranlasst auch eine Reihe von Pilzen, sich auf Pflanzen anzusiedeln und mit diesen eine Symbiose zu bilden. So kann auch die im Moor weit verbreitete Moosbeere prächtig gedeihen, weil sich auf ihren Blättern eine Pilzart angesiedelt hat. Der Pilz gibt der Pflanze Mineralstoffe im Tausch gegen Assimilate der Moosbeere. Die Moosbeere wiederum ist ausschließliche Nahrungsquelle des Rötlich-Gelben Moosbeeren-Schneckenfalters.
Diese wenigen Beispiele zeigen die Vernetzung aller Lebens- und Absterbevorgänge im Moor. Wird dem Moor Wasser entzogen, bricht das Ökosystem zusammen, und alle Chancen sind vertan, solch ein wunderbares Naturheilmittel auch den Generationen nach uns noch zugute kommen zu lassen.
Worin besteht nun die „wundersame" Heilwirkung des Torfes?
Erstens in der thermophysikalischen Eigenschaften der Wärmehaltung. Der Moorbrei kühlt sich im Vergleich zum Wasser langsamer ab, leitet aber auch die Wärme von Moorteichen zu Moorteich viel langsamer. Dadurch hat das Moor eine intensiv gleichmäßig andauernde Wärmewirkung auf Körper.
Zweitens in einer Vielzahl chemischer Wirkungen. Bestimmte Wirkstoffe dringen durch die Haut in den Körper, die Haut scheidet gleichzeitig Toxische und andere Stoffe aus.
Drittens in der antimikrobiellen Wirkung. Sie bewirkt das Abheilen mikrobieller und pilzlicher Ekzeme.
Viertens in den Torf vorhandenen Stimulatoren, die auf unseren Organismus eine positive Wirkung haben.
Im Eisenmoorbad Bad Schmiedeberg werden vorwiegende folgende Leiden geheilt bzw. gelindert: Rheumatische Erkrankungen, degenerative Erkrankungen der Gelenke und der Wirbelsäule, Stoffwechselstörungen mit Manifestation am Halte- und Bewegungsapparat (Osteoporose, Gesicht); Nachbehandlung nach Operationen und Unfallverletzungen am Bewegungsapparat sowie Frauenleiden.
Die Wirksamkeit des Bad Schmiedeberger Moores und die breitere Fächerung der medizinischen Leistungen wird durch die Entdeckung und Nutzbarmachung der „Margarethenquelle" verstärkt. Dem Moor wird das aus zirka 200 Meter Tiefe kommende flouridhaltige Wasser beigemischt. Es soll nach Fertigstellung einer Trinkhalle gemeinsam mit dem Heilwasser aus der „Kurfürstenquelle" der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Verwendete Literatur:
„Moore in der Landschaft" (M. Succow)
„Faszination Moor" (W. Rolfes)
„Der Moorlehrpfad" (Eisenmoorbad Bad Schmiedeberg)

Quelle: Jahrbuch Dübener Heide 1999 , mit freundlicher Genehmigung "Verlagshaus Heide Druck"

 


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