Bürgermeister des Städtebundes Dübener Heide als Lernende in Südtirol 
von Rainer Schultz
 

Spätestens seit dem vergangenen Jahr, nach dem Besuch der Energiemodellstadt Güssing (Österreich), wurde bei den Bürgermeistern der sieben Heidestädte Dommitzsch, Gräfenhainichen, Pretzsch, Prettin, Bad Schmiedeberg, Bad Düben und Kemberg ein Denkprozess ausgelöst, der inzwischen nicht mehr aufzuhalten ist und in Richtung erneuerbare Energie für Kommunen steuert.
Gräfenhainichen (Harry Rußbült) und Dommitzsch (Harald Koch), die schon jetzt als Voreiter gelten, regten einen Besuch in das italienische Bozen an. Dort gibt es ein Institut für Erneuerbare Energie, das europaweit agiert und auf praxisbezogene Beispiele verweisen kann.
Rowena Hiersemann, Städtebundkoordinatorin, hatte die Organisationsfäden in der Hand.
Dr. Harald Kegler, Regionalplaner aus Dessau, kamen die bereits vorhandenen Kontakte nach Bozen zu gute. Er leitete die „Energieexkursion“ in die italienische Vorzeigeregion Südtirol, in der bereits 43% der Energieversorgung über erneuerbare Energie realisiert werden (bis 2020 sollen es 75% sein). Neben natürlichen Ressourcen, wie Wasserkraft und Sonne (300 Sonnentage/Jahr) sind es Geothermie (Erdwärme) und Biomasse aus denen Energie „geschöpft“ wird.
Bei soviel Referenzprojekten (130 auf der Südtiroler Landkarte) hat sich inzwischen ein regelrechter Energietourismus entwickelt, der von Sepp Walder geleitet wird und sowohl Kommunalpolitiker als auch Investoren als Lernende in die Region führt.
Bürgermeister Stefan Dammhayn (Bad Schmiedeberg) sieht für seine Stadt echte Potentiale:
„Warum sollen wir nicht die Abwärme unseres Steinzeugwerkes nutzen zur Beheizung öffentlicher Gebäude, wie Kureinrichtungen und Schule. Das Know how von Bozen hat mir die Augen geöffnet.“ 

Institutsdirektor Dr. Wolfram Sparber (Bozen), der aufmerksam den Darlegungen der Bürgermeister folgte, sieht auch für die Region Dübener Heide echte Perspektiven. Möglicherweise wird es bald einen Gegenbesuch geben - dies im Rahmen einer internationalen Fachtagung zu den Themen Strukturwandel/Erneuerbare Energie in Ferropolis.
Die Projektpartner könnten heißen Güssing (Österreich) – Bozen (Italien) – Städtebund Dübener Heide (Deutschland).
Wie man eine ländlich, bäuerlich geprägte Region innerhalb von 100 Jahren zu einer touristischen Spitzenregion (1,1 Mio. Besucher 1950 - 24 Mio. Besucher 2006) entwickeln kann, zeigte das einzige Tourismusmuseum Europas in Meran.
Deren Direktor Dr. Paul Rösch entwickelte zu viert mit einem Journalisten, einem Ethnologen und einem Architekten, das Konzept für dieses einmalige Haus (hervorragende Gliederung und Didaktik!!), das nun seit fünf Jahren ein echter Besuchermagnet ist.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Erfahrung aus erster Hand ist durch nichts zu ersetzen. „Wenn man erfolgreich sein will, muss man das Modell Bozen verinnerlichen.“ (Dr. Kegler)

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