Herbstausgabe 99

Home Herbstausgabe 98 Winterausgabe 98 Frühjahrsausgabe 99 Sommmerausgabe 99 Herbstausgabe 99 Winterausgabe 99 Frühjahrsausgabe 00 Sommerausgabe 00 Herbstausgabe 00 Winterausgabe 00 Frühjahrsausgabe 01 Sommerausgabe 01 Herbstausgabe 01 Winterausgabe 01 Frühjahrsausgabe 02 Sommerausgabe 02 Herbstausgabe 02 Winterausgabe 02 Frühjahrsausgabe 03 Herbstausgabe 03 Winterausgabe 03 Frühjahrsausgabe 04 Herbstausgabe 04 Winterausgabe 04 Frühjahrsausgabe 05 Sommerausgabe 05 Herbstausgabe 05 Winterausgabe 05 Frühjahrsausgabe 06 Sommerausgabe 06 Herbstausgabe 06 Winterausgabe 06 Frühjahrsausgabe 07 Winterausgabe 07

Ausgabe 30 Herbst 1999 

Inhalt:

Altweibersommer in der Dübener Heide
Wanderreiten ohne Gepäck
Kennen Sie den ??? Pilzzeit
1. Tornauer Köhlerfest
Die kursächsische Halbmeilensäule am "Eisenhammer"
Gesundheit in gediegener Eleganz
Putzi
Weinpresse und Weinbau - Sieh da - unsere Nachbarn
Martin Rinckart
Kossa
Der Große Teich in Torgau
Kleinod vor historischen Burg- und Schlossmauern

Altweibersommer in der Dübener Heide

Als Altweibersommer bezeichnet der Volksmund eine ziemlich regelmäßig auftretende Schönwetterlage im September, die manchmal bis in den Oktober reicht.
Eine kennzeichnende Erscheinung des Altweibersommers sind die vielen Meter langen Spinnweben, die besonders an frühnebligen Morgen, infolge der anhängenden Tautropfen an den Kiefern oder Farnen sichtbar werden. Die Dübener Heide erscheint dann wie verzaubert. Aber auch am Mittag kann man in der Sonne die Spinnfäden treiben sehen. Wenn diese Fäden im Licht glitzern, dann erinnern sie an das feine weiße Haar alter Frauen.
Die Spinnfäden werden von noch winzig kleinen Krabbenspinnen hervorgebracht, die vom Winde erfasst und fortgetragen werden.
Viele Menschen bezeichnen diese Tage auch als die fünfte Jahreszeit. Die heiße Zeit des Sommers ist vorbei, die Nächte oft schon recht kühl, aber der Herbst hat noch nicht so richtig Einzug gehalten. In dieser Zeit ist es im Naturpark Dübener Heide einmalig schön denn die Laubfärbung beginnt. Alle Farbtöne kann man bei einem Spaziergang, einer Wanderung oder Fahrradtour entdecken. Es ist auch die große Zeit der Pilzsammler, die bei uns in der Region zwischen Mulde und Elbe reiche Ernte finden.
Der Fremdenverkehrsverband Dübener Heide lädt Sie herzlich zu einem Besuch ein. Verbringen Sie einen schönen Tag oder ein Wochenende bei uns, so beim Köhlerfest in Tornau, dem Tanzfestival am Ochsenkopf und  dem Burgfest in Bad Düben sowie den Fischerfesten beim Abfischen unserer Teiche.

zurück zum Inhaltsverzeichnis

Wanderreiten ohne Gepäck
1. Rundwanderreitweg durch die Dübener Heide

Seit Juni diesen Jahres steht dem Reittourismus im Naturpark Dübener Heide der 1. Rundwanderreitweg zur Verfügung. Die Interessengemeinschaft Freizeitreiter hat mit vielen Verbündeten eine Strecke gefunden, die durch reizvolle Heidelandschaften und durch idyllische Wälder führt. So schweift der Blick durch wehe Fluren, und die Augen genießen die Flora und Fauna. Von Zeit zu Zeit spenden die Bäume für Pferd und Reiter kühlenden Schatten.
Die Wegstrecke von über 80 km ist so aufgeteilt, das eine anspruchsvolle Drei-Tagestour geritten werden kann. Angeschlossen an die Strecke sind die Reiterhöfe ,,Schwarzbachhof" aus Sprotta, der ,,Mädchenpferdehof Authausen", der Freizeitreiterhof „Zu den Pappeln" in Dommitzsch sowie der Reiterhof Hauck in Wöllnau.
In den vier Höfen werden Anmeldungen für die Ritte entgegengenommen. Hier besteht für die Teilnehmer die Möglichkeit der Übernachtung, verbunden mit einem reichhaltigen Frühstück und einem deftigen Abendessen. Von dort aus wird auch das Gepäck der Reiter zum nächsten Übernachtungsort transportiert.
In schönen Heidegaststätten, welche sich auch prima auf vierbeinige Gäste eingestellt haben, wird unterwegs gespeist: z.B. in der Gaststätte ,,TAUER" in Dahlenberg, dem Waldhotel ,,Zur Hachemühle" und dem ,,Heidekrug Wöllnau“.
Für jeden, der das Reiten im Gelände liebt, sich mit seinem Kameraden Pferd in der Natur wohlfühlt, wird diese Reittour ein unvergessenes Erlebnis bleiben.
Ellen Engel
Naturpark Dübener Heide e. V Projekt-Mitarbeiterin

zurück zum Inhaltsverzeichnis

Kennen Sie den???
Herbstzeit - Pilzzeit
in der Dübener Heide ist das nicht anders.

Vielfältig bunt ist das Angebot, und wenn das Wetter mitspielt, dann sind Völkerscharen mit Spankörben unterwegs. Es findet der sicher eine Mahlzeit an Speisepilzen, der ein solides Grundwissen besitzt, den sogenannten Pilzverstand. Der erschöpft sich nicht in Pfifferlingen und Steinpilzen. Der schließt auch den schmackhaften Anisegerling mit ein und den Perlpilz und den flockenstieligen Hexenpilz - alle eßbar und wohlschmeckend.

zurück zum Inhaltsverzeichnis

1. Tornauer Köhlerfest und
2. Europäisches Köhlertreffen
Die Köhlerei war einmal ein wichtiges Handwerk in der Dübener Heide

Die geringen landwirtschaftlichen Erträge auf den sandigen Böden der Dübener Heide zwangen die Bevölkerung, sich auch vom Walde zu ernähren. Dazu gehörte im wesentlichen die Herstellung von Holzkohle. Zur Produktion waren keine kostspieligen Grundmittel erforderlich: Ein Stück Land in einer Lichtung oder am Waldrand; das Holz lieferte der Wald und das andere war harte und ,,schwarze" Arbeit.
Der Bedarf an Holzkohle war vorhanden. Zu den Hauptabsatzgebieten der Dübener Heide zählten die Großstädte Halle und Leipzig.
Die Holzkohle wurde eingesetzt:
- im Haushalt zum Erhitzen der Plätte (Bügeleisen),
- im Handwerk zum Beheizen von Schmiedefeuer der Mechaniker, Kupferschmiede und Klempner,
- für die Schmelzöfen in den Gießereien,
- zum Färben und zum Klären und Filtern von Flüssigkeiten,
- zur Herstellung von Zahnpulver,
- zur Linderung von Durchfall bei Mensch und Tier
In den Orten der Dübener Heide gab es vielfach mehrere Bewohner, die der Köhlerei nachgingen. Kreisrunde, schwarze Flächen auf Feldern in der Nähe des Waldes weisen noch heute auf
Standorte von Kohlemeilern hin. Der oft vorkommende Familienname ,,Köhler" leitet sich vom Beruf ,,Holzköhler" ab.
In Sagen und Erzählungen kommt der Köhler oft vor:
ein erzgebirgischer Köhler vereitelte 1455 den Raub der sächsischen Prinzen Ernst und Albrecht.
Wie geht nun die Köhlerei vor sich?
Zuerst errichtet der Köhler eine Hütte. Er muß ja den Meiler Tag und Nacht unter Kontrolle haben. Die ,,Köte" besteht aus kegelförmig zusammengestellten Stangen. Gegen Regen ist sie mit Heidekraut und Graskaupen abgedeckt. Als Kochherd dienen zwei Feldsteine.
Das Rohmaterial zur Holzkohleerzeugung besteht aus Meterknüppeln jeder Stärke. Das Holz wird geschält, da Rinde keine Kohle liefert und im Meiler Platz wegnimmt. Für einen Meiler werden etwa 30 Raummeter Holz verwendet. Die Knüppel liegen im Rund zum Greifen bereit. In der Mitte wird zuerst aus übereinandergeschichteten Knüppeln ein Schlot errichtet An den Schlot stellt der Köhler nun das Holz. Je dichter die Knüppel stehen, um so mehr und bessere Ware gibt es. Von etwa drei Metern einer gedrückten Halbkugel gleicht. Dieser fertige Holzhaufen wird nun mit grobem Material, wie Moos, Heide- oder Heidelbeerkraut so belegt, dass keine Erde zwischen die Hölzer rieseln kann. Die nun aufgebrachte Erdschicht dichtet den Meiler luftdicht ab.
Durch Einschütten von glühender Kohle in den Schlot wird der Meiler gezündet. Mit einem angespitzten Pfahl stößt der Köhler von allen Sehen dicht über dem Erdboden Zuglöcher durch die Erdschicht. Sobald der Schlot durch das Feuer allmählich von unten nach oben verbrannt ist, werden die Zuglöcher und der Schacht mit Erde abgedichtet. Der Aufbau erfolgt in drei Etagen, so dass der fertige Meiler mit einer Höhe von etwa 3 Metern einer gedrückten Halbkugel gleicht. Der Sauerstoff im Meiler ist bald verbraucht, das Flammenfeuer muß erlöschen und das Holz im Meiler beginnt von der Mitte nach außen und von oben nach unten zu schwelen. In die Meilerdecke sticht der Köhler kleine Löcher; damit die entstehenden Gase entweichen können. Durch Luftlöcher an den Seiten regelt und lenkt er den Schwelbrand im Meiler. Sobald der Rauch eine bläuliche Farbe annimmt, muss er die Zuglöcher tiefer setzen, bis er auf dem Erdboden ist. Der Meiler sinkt bis zur Hälfte zusammen. Der Brand in dieser Größe dauert etwa sechs bis sieben Tage. Alle Luftlöcher werden geschlossen und der Meiler kühlt sich ab. Eine ständige Kontrolle ist notwendig, damit sich das Feuer durch Luftzufuhr nicht neu entfachen kann und die gesamte Kohle zu Asche wird.
Einige Tage vergehen, bis die Erde abgeräumt und die Kohle herausgezogen werden kann. Der Köhler sortiert die verkohlten Hölzer nach Qualität. Die nicht vollständig verkohlten Hölzer kommen in den nächsten Meiler. Die Kohle wird nun in Säcke gepackt. Durch das leichte Gewicht der Holzkohle werden die Pferdewagen hoch beladen und in die Stadt gefahren.
Herben Klepel

zurück zum Inhaltsverzeichnis

Am 18. Juli enthüllt und schon eine kleine touristische Attraktion des Naturparks:
Die kursächsiche Halbmeilensäule am „Eisenhammer“

August der Starke(169$ - 1733), Kurfürst in Sachsen und König von Polen, erteilte 1721 einen Befehl, nachdem in Sachsen alle Post- und Landstraßen vermessen und mit Meilensteinen und Säulen versehen werden sollten. Vor den Toren der Städte sollten wappenverzierte Distanzsäulen über Postlinien und Entfernungen Auskunft geben.
Mit der Durchführung wurde der Pfarrer Adam Friedrich Zürner aus Skassa bei Großenhain betraut, der dem Hof in Dresden bereits 1711 durch eine ,,Special-Landt&harte von Großenhain" bekannt geworden war. Da das Kurfürstentum vor 280 Jahren von der Saale bis in die Odergegend und vom Erzgebirge bis kurz vor Brandenburg reichte, war dies eine gewaltige Aufgabe. Sie war von vornherein mit vielen Problemen behaftet, da die Kosten von den Städten und Gemeinden zu tragen waren.
Die Poststraße von Leipzig nach Wittenberg, sie entspricht im Bereich der Dübener Heide weitgehend der Bundesstraße 2, wurde bereits 1722 vermessen. Ausgangspunkt war die Distanzsäule am Hallischen Tor in Leipzig. Insgesamt wurden von dort bis Wittenberg 29 Pfähle für Meilenzeichen eingeschlagen und die Standorte in entsprechenden Protokollen beschrieben. Bis 1725 waren alle Steine und Säulen in der Dübener Heide
Die sächsische Postmeile hatte eine Länge von umgerechnet 9062 m. In Abständen von je einer Viertelmeile (2265,5 m) wurden im Wechsel ein Viertelmeilenstein, eine Halbmeilensäule, ein Viertelmeilenstein und dann eine Ganzmeilensäule aufgestellt. Diese Straßensteine und Säulen waren fortlaufend nummeriert. Die Entfernungsangaben auf den Säulen erfolgte in Stunden (St.),
die aber nicht mit der Fahrzeit der Postkutsche gleichzusetzen sind. Die Stunde war damals auch ein Wegemaß und hatte die Länge von 4531 m, also einer halben Meile.
Auf Beschluss des Wiener Kongresses fielen 1815 weite Teile Sachsens an Preußen. In der Folge verschwanden in diesen Gebieten nach und nach diese Säulen. Da man mit Baumaterialien sparsam umging, wurden die Steine wiederverwendet oder verkauft.
Beim Abriss von alten Bauwerken werden dadurch immer wieder mal Teile von Postsäulen entdeckt. So wurden z.B. die Schriftblöcke der Distanzsäulen Gräfenhainichen und Kemberg beim Abbruch der örtlichen Schulen aufgefunden. Ähnlich verhielt es sich mit zwei Teilen einer Halbmeilensäule, die beim Abbruch eines Schafstalles bei Tiefensee, westlich von Bad Düben, entdeckt wurden. Untersuchungen ergaben, dass die Säule auf ,,Kirchloser Marck", heute Tornau, Ortsteil Eisenhammer; gestanden hat. (Wir berichteten darüber in unserer Winterausgabe 1996/97).
Im Vorfeld des 99. Deutschen Wandertages bemühte sich der Verein Dübener
Heide e.V. um die Fertigung einer Kopie. Von Mitgliedern der Forschungsgruppe Kursächsische Postmeilensäulen e.V. wurde die dokumentarische Zuarbeit erbracht.
Die Steinmetzarbeiten führte der Diplombildhauer Dirk Brüggemann in Leipzig aus. Aufgestellt wurde die Säule an der Straßenkreuzung 82 und der Straße Gräfenhainichen Söllichau.
Die Inschrift auf der Säule lautet in Fahrtrichtung Norden:
AR Kemberg 3 St. 1/8 Wittenberg 5 St. 3/4 1723
in Richtung Süden: AR Düben 1 St. 3/4 1723
Dass es das 18. Meilenzeichen an der Straße Leipzig-Wittenberg war zeigt die,,18"ander Straßenseite.
Das vergoldete Monogramm ,AR" steht für Augustus Rex. Unter den Jahreszahlen befindet sich das Symbol der Post ein vergoldetes Posthorn. Mit der Halbmeilensäule am Eisenhammer, den Distanzsäulen in Kemberg und Gräfenhainichen und dem Viertelmeilenstein bei Torgau an der B 87 in Obernauendorf ( Schwarzer Bär) stehen nun in der Dübener Heide vier Denkmale der Verkehrsgeschichte aus Kursächsischer Zeit.

Wanderer; Radler oder einfach Reisende nutzen die Gelegenheit zu einem Blick auf die schlanke Säule. Mancher von ihnen legt gegenüber beim ,,Schlemmerstübchen" eine Rast ein und erfreut sich an ihrer schlichten Schönheit etwas länger.
Günter Göricke

zurück zum Inhaltsverzeichnis

Gesundheit in gediegener Eleganz
Am 14. Oktober wird das neue Bad Schmiedeberger Kurmittelhaus seiner Bestimmung übergeben.

Zwischen Schwanenteich und historischem' Kurpark gelegen, fügt sich das neue Gebäude harmonisch in das Ensemble von Jugendstilkurhaus, Rehaklinik und Trinktempel ein. Der Leipziger Architektin Barbara Scholz des Unternehmens Leipzig Projekt ist es hervorragend gelungen, die große Breite medizinischer und therapeutischer Funktionen in ein Haus von gediegener Eleganz zu bringen. Die Anwendungen der ortsgebundenen natürlichen Heilmine - Moor und Mineralwasser - erfahren hier auf ideale Weise ihre Verbindung mit klassischer und modernster Medizin.
Neben den bewährten Naturmoorbädern und -packungen können die Besucher erstmals auch die hiesigen wertvollen Mineralwässer für Trinkkuren nutzen.
Ein großzügig gestaltetes Foyer empfängt die Gäste, die Rezeption steht für Informationen, Fragen und die Therapieplanung zur Verfügung. Ebenfalls im Eingangsbereich befindet sich der Ausschank der Mineralwässer des Margarethenbrunnens und des Kurfürstenbrunnens. Der radonhaltige Bad Schmiedeberger Kurfürstenbrunnen wird darüber hinaus zu Inhalationen und medizinischen Bädern verordnet.
Über das Foyer erreicht man die Schwimmhalle. Durch die variable Beckentiefe können nun neben klassischen auch moderne Therapiearten praktiziert werden. Das breite Spektrum Kneippscher Anwendungen wird sinnvoll durch ein Tretbecken ergänzt. Ein Konferenzraum, mit modernster Technik ausgestattet, wird eine Qualitätsverbesserung der medizinischen Vortragsreihen ermöglichen und für das Kultur- und Freizeitangebot interessante Ergänzungen bringen.
Behandlungsräume für Moortherapien, Medizinbäder, Massagen, Elektrotherapien, ideale Möglichkeiten für Sport und Fitness, Ergotherapien, Kochkurse, Ernährungsberatungen, Entspannungskurse auf rund 3000 Quadratmetern machen das Haus zu einem der modernsten Therapiezentren des Landes. Hier kann jedermann das breite Leistungsangebot nutzen, entweder als ambulanter Kurgast, als Privatpatient, im Rahmen eines der günstigen pauschalen Angebote des Eisenmoorbades oder auf Verordnung des Hausarztes.
Der Gästeservice ist auch in das neue Haus umgezogen und berät zu ambulanten und pauschalen Angeboten des Eisenmoorbades.
Zum Verweilen laden ein neues Cafe, Kaminzimmer und Atrium ein. Im Lichthof gibt es über drei Etagen Ausstellungsflächen. Diese Galerie wird mit Eröffnung des Hauses durch die Leipziger Birkner Stiftung gestaltet. Bücherfreunde werden das Angebot der Stadtbibliothek nutzen, die im Kurmittelhaus ihr neues Domizil erhält.
Genaue Informationen zu allen Leistungsangeboten gibt der Gästeservice des Eisenmoorbades. Frau Regine Lehmann und Herr Gunter Wilke beraten gern und sind telefonisch erreichbar unter (034925) 63037oder62828.
 

zurück zum Inhaltsverzeichnis

Putzi
Fast zwei Jahre teilten wir mit einem Eichhörnchen die Wohnung. Die Formulierung ist beabsichtigt. Denn als ich den aus dem Kobel gefallenen Winzling mühsam mit der Flasche aufgepäppelt hatte, beherrschte er (oder sie?) unser Heim.

Sein Käfig - mit dunkler Unterkunft im hinteren Teil - stand in meinem Zimmer. Aber kann man so ein herziges Wesen immer einsperren? Also war Freilauf angesagt. Erst vorsichtig, dann immer dreister nahm Putzi die gesamte Wohnung in Beschlag. Er versteckte sich in der Couch, machte im Sessel sein Nickerchen und fuhr mit ärgerlichem Keckem auf wenn man ihm den Platz streitig machen wollte. Weil er dabei drohend die Zähne zeigte, kapitulierten die Familienmitglieder und überließen ihm das Territorium.
Nur mich liebte Putzi abgöttisch. Er kletterte auf meine Schulter, tuckerte leise vor sich hin und schmuste mit mir. Das ging soweit, dass ich mit Putzi auf der Schulter einkaufen gehen konnte.
In der fünften Klasse behandelten wir die Nagetiere, da wollte ich das Tierchen im Unterricht zeigen. Nach kurzem Training fühlte sich Putzi in meiner Schultasche wohl und ließ sich darin umhertragen. Was für ein Hallo, als ich den lebendigen Nager präsentierte. Selbst unser recht beliebter Bio- Lehrer konnte keine Ruhe schaffen. Das ging Putzi auf den Geist und er ließ sich trotz Leckerbissen nicht wieder greifen. Nur gut daß unser Pauker ein ,,echter Lehrer" mit Verständnis war. ,,So wird das nichts! Alles raus auf den Schulhof, außer Göhe, der versucht das Tierchen wieder zu haschen". Wenn du den Ausreißer wieder hast, bring ihn nach Hause. Vom Unterricht bist du für heute befreit."
Natürlich war ich am nächsten Tage der ,,Held". Aber Putzi schien der Soloauftritt zu Kopf gestiegen. Oder lag es an seinem zunehmenden Alter? Jedenfalls begann er neuerdings Stuhl- und Tischbeine anzunagen. Wollte man ihn greifen, sauste er an den Gardinen empor, denen das auch nicht besonders bekam; er setzte sich auf die Gardinenstange und schimpfte herunter.
Das ging nun wirklich zu weit! Also gab's ständigen Käfig-Arrest! Doch da wurde Putzi immer apathischer. Wieder war Onkel Karl der Retter: ,ich nehme Putzi mit, wenn ich wieder zum Angeln fahre und lasse ihn dort frei."
Der Ausweg leuchtete ein und die Familie nahm tränenreich Abschied. Sooft ich aber in Onkels Angelrevier herumstrolchte, rief und lockte, Putzi ließ sich nie wieder blicken. Die freie Natur gefiel ihm wohl besser als unser für menschliche Begriffe gemütliches
Zuhause.
Karl-Heinz Göhe

zurück zum Inhaltsverzeichnis

Sieh da - unsere Nachbarn

Die alte Weinpresse und der neue Weinbau auf den Jessener Bergen

Seit dem 7. Oktober 1979 steht die alte Weinpresse an der Bundesstraße 187 gegenüber dem Bergschlößchen auf den Jessener Bergen. Ursprünglich befand sich die Presse als Bestandteil eines Preßhauses im Besitz der Familie Rehayn auf den Schweinitzer Bergen.
Mit der Aufstellung der alten Weinpresse soll an den Jahrhunderte auf den Arnsdorf Jessen-Schweinitzer Bergen kultivierten Weinbau erinnert werden. Hatten Antonitermönche die ersten Rebstöcke im 13. Jahrhundert gesetzt, so konnte sich der Weinbau im Mittelalter bis auf 300 Hektar ausdehnen.
Der Niedergang setzte im vorigen Jahrhundert ein, und bis auf 1,25 Hektar war die Fläche geschrumpft, ehe die Jessener LPG Gartenbau 1977 mit einer Aufrebung von 1,8 Hektar am Bergschlößchen den Neuanfang machte. 10 Jahre später kam eine Fläche von 1,4 Hektar auf ,,Kuhrrrianns Steinberg" nahe dem Himmelberg dazu. 1989 wurden von der Genossenschaft 4,45 Hektar Rebfläche bewirtschaftet.
In den neunziger Jahren sahen junge, engagierte ,,Bergsche" ihre Chance im Weinbau und machten sich selbständig. Während die Familie Zwikker (Döbelt) den Hausberg von der Genossenschaft übernahm, pflanzte Familie Hanke vor allem auf dem klimatisch günstiger gelegenen Oberbergen 5 Hektar Wein an. Neben den Hauptsorten des Gebietes, dem ,,Müller-Thurgau" und dem ,,Riesling", wurden der ,,Kerner" als Weißwein und der ,,Schwarzriesling" als Rotweinsorte neu im Gebiet eingesetzt. Parallel zu den Neupflanzungen wurde auch eine umfangreiche Modernisierung des Maschinenparks vorgenommen. Als Beispiel seien der Maischewagen und eine hochproduktive Presse genannt.
Da von dem Weingut Gebr. Hanke der Weinanbau ausgebaut wird, mußte die Kellerwirtschaft ebenfalls den neuen Ansprüchen angepasst werden. Einzug hielten u.a. neue Filter, Pumpen und Tanks. Zum Weingut gehört neben Verkauf ab Hof auch Verkostung in einer Weinstube.
In dem von Andrea Zwicker (geb. Döbelt) betriebenen Weinausschank wird ebenfalls eigener Wein angeboten. Übrigens, der 1 Hektar große ,,Hausberg" wurde einst von Ernst Schmidt, dem Nachkommen einer der letzten kursächsischen Winzer aufgerebt. Heute musste hier die aufwendige Stockerziehung der Rebstöcke der Drahtrahmenerziehung weichen. Höhepunkt im Weinjahr der Stadt Jessen ist ohne Zweifel die seit 1993 anlässlich des Jessener Schul- und Heimatfestes vorgenommene Kürung der Jessener Weinprinzessin. Großer Beliebtheit erfreut sich der jeweils dienstags veranstaltete Weinabend an der idyllisch gelegenen Freilichtbühne. Nach dem Programm, welches unter Mitwirkung Jessener Chöre stattfindet, wird zum gemütlichen Teil übergegangen. Bei Blasmusik, Wein und Fettbemmen wird dann bis spät in die Nacht gefeiert.
Peter Raschig

zurück zum Inhaltsverzeichnis

Martin Rinckart – Kaiserlicher Poet

Im Dezember vor 350 Jahren verstarb in Eilenburg mit Martin Rinckart eine Persönlichkeit dessen Erbe auch in der Gegenwart außerordentlich lebendig ist. Vor allem sein Lied ,,Nun danket alle Gott", welches zu herausragenden Ereignissen deutscher Geschichte erklang und nicht nur von der Christenheit zu festlichen Anlässen weltweit angestimmt wird, ließ ihn unsterblich werden.

In vielfältiger Form wird das Erbe in seiner Heimatstadt gepflegt und bewahrt und werden seine Leistungen gewürdigt. Eine Straße und das altehrwürdige Gymnasium im Zentrum der Stadt tragen seinen Namen. Eine Gedenktafel an seiner langjährigen Wirkungsstätte, der Stadtkirche St. Nicolai, erinnert an den Theologen und religiösen Liederdichter.
Die Rinckarts waren eine ,wohl über anderthalb hundert Jahre zu Eilenburg, Delitzsch und Dieben wohlbekanntes Geschlecht". Besonders in Eilenburg bekleideten sie über Generationen gewichtige Ämter.
Am 24. April 1586 erblickte Martin Rinckart das Licht der Welt. Seine Eltern lebten in bescheidenen Verhältnissen. Er schrieb selbst: ,,Nur durch die Mittel armer Eltern und durch ihre behutsame Handarbeit bin ich bis in das 15. Jahr notdürftig erhalten und unterhalten worden.". Dennoch pflegten Martins Eltern, wie alle Rinckarts, die Musik und förderten die Gaben und Neigungen ihrer Kinder. Mit dem 5. Lebensjahr nahm Martin bereits am öffentlichen Unterricht teil. Seine Lehrer rieten dem begabten Jungen ein Theologiestudium an der Thomasschule zu Leipzig. Gleichzeitig war aber der junge Thomaner seit 1602 an der Universität Leipzig eingeschrieben. 1609 schloß er sein Studium mit dem akademischen Grad eines Baccalaureus ab.
Der 23jährige Rinckart bewarb sich um das vakante Diakonat an St Nicolai in seiner Vaterstadt. Vom damaligen Superintendenten Büffner wurde seine Bewerbung allerdings abgelehnt, mit der Begründung: ,,bewerber habe bisher nicht dem studio theologico, sondern philosophico obgelegen", sonderlich habe er musicum getrieben." Er ging 1610 an das Gymnasium in Eisleben und heiratete Christina Morgenstern. 1613 erfolgte seine Berufung
in das Pfarramt von Erdeborn. In diesem mansfeldischen Dorf erlebte Rinckart eine glückliche Zeit. Hier entstanden und erschienen seine ersten dramaturgischen Werke und hier wurde ihm kurz nach seiner Ankunft sein erster Sohn geboren.
1615 wurde er zum kaiserlichen Poeten gekrönt. Rinckart kehrte Ende 1617 für immer in seine Heimatstadt zurück. Beim Amtsantritt in Eilenburg fand er ein vielfältiges kirchliches Leben vor. Die Bürger der Stadt hatten sich ein Jahrhundert zuvor sehr frühzeitig der Reformation angeschlossen und Vertreter aus ihren Reihen hatten nicht unwesentlich zur Verbreitung der neuen Ideen beigetragen.
Der Reformator selbst hielt sich des öfteren in der Muldestadt auf und Rinckarts Großvater haue als Ratsmitglied Luther wohl auch persönlich kennengelernt. Als Archidiakonus haue Rinckart die sonntäglichen Nebengottesdienste durchzuführen und die sogenannten Katechismuspredigten.
32 Jahre lang unterwies er die Gemeinde und die Jugend im lutherischen Bekenntnis. Im zweiten Jahr seiner Amtstätigkeit begann der Dreißigjährige Krieg (1618-1648), von dem sein gesamtes weiteres Wirken in der Muldestadt beeinflußt und geprägt wurde. Während der gesamten dreißig Kriegsjahre stand er mit einer fast urchristlichen Glaubensauffasssung seiner leidgeprüften Gemeinde bei und wurde durch sein umfangreiches literarisches Werk zum glaubwürdigen Zeugen der Schrecknisse und Greuel in seiner Heimatstadt.
In jenen Jahren erschienen mehrere Dramen aus seiner Feder im Druck, wie z.B. im Jahre 1624 sein Werk
,,Monetarjus seditiosus" oder ,,Dei Müntzerische Bauernkrieg". Wie viele seiner Amtsgenossen war Rinckart im gewissen Sinne Unternehmer. In Eilenburg stand von alters her das Braugewerbe in hoher Blüte, besonders nachdem unter Bürgermeister Kuno mit dem Ausbau der Bergkeller begonnen wurde. Über seine Mutter war Rinckart Brauerbe geworden und durfte somit den Gerstensaft, damals noch ein Grundnahrungsmittel, herstellen. Für Rinckart war das Brauhaus eine Quelle seines Wohlstandes, den er in den folgenden schweren Jahren mit seiner Gemeinde teilte. Als der Krieg bereits 10 Jahre andauerte, schrieb Rinckart folgende Verse:


Da Teutschland sich bemüht,
sein Mörder selbst zu sein,
Gesetz, Herd und Altar
legt in die Asch hinein!
Sich in sich selbst auffraß,
durch blutiges Beginnen,
Und nun ins zehnte Jahr,
nicht eins davon hielt innen,

Im Vorfeld des herannahenden 100-jährigen Jubiläums der Augsburgischen Konfession begann der Poet Rinckart den sechsten Teil seines Luther-Zyklusses. Die Wiederkehr der Übergabe des evangelischen Bekenntnisses zu Augsburg wurde trotz der ständig drohenden Kriegsgefahr in Kursachsen feierlich begangen. Rinckart würdigte dieses Ereignis in mehreren Liedern. Seine Lieder wurden wohl während der dreitägigen Feierlichkeiten von der Kantorei zu Gehör gebracht. Das bekannteste dieser Jubellieder ist  und danket alle Gott". Dieses Lied ließ Rinckart unsterblich werden...
Mit dem Einfall des kaiserlichen Heeres in Sachsen im August 1631 wurden auch Eilenburg und seine Umgebung für fast zwei Jahrzehnte zum ständigen Kriegsschauplatz.
Immer wieder stellte sich Rinckart mutig den in der Stadt reiche Ernte haltenden apokalyptischen Reitern in den Weg. Im Jahre 1637 raffte die Pest in der von Kriegsflüchtlingen überfüllten Stadt nach Schätzungen der Totengräber 8.000 Menschen hinweg, die allesamt vom einzig verbliebenen Geistlichen Martin Rinckart zur letzten Ruhe gebettet wurden. Rinckart klagte:
,,Das ganze Land eines Königs Schatz und Eilenburg ohne alle Bürger." Am 21. Februar 1639 wurde die Stadt von schwedischen Truppen besetzt. Sie forderten 30.000 Taler Kriegskontribution und drohten bei Nichtzahlung, die Stadt zu plündern und zu brandschatzen. Außerstande die hohe Geldforderung zu erbringen, begab sich Rinckart als Bittgänger in das Lager der Schweden. Doch alles Bitten und Betteln half nichts, die schwedischen Befehlshaber blieben unnachgiebig.
Rinckart rief seine Gemeinde zum Bittgottesdienst, der in seiner ergreifenden Art die Schweden derart beeindruckte, dass sie die Geldforderung erheblich reduzierten. Diese Rettungstat Rinckarts findet sich auf einem Monumentalgemälde in der Aula des Martin Rinckart-Gymnasiums dargestellt. Der lang ersehnte Friedensschluss vom 14.10.1648,derinEilenburgam 3. Dezember von der Kanzel verkündet wurde, löste unter den Überlebenden ein großes Freudenfest aus. Aufopferungsvoll haue Rinckart seine Gemeinde durch den Krieg geleitet. Nur wenige Monate danach vollendet sich sein Leben. Er starb am 8. Dezember 1649 und fand seine letzte Ruhestätte im Inneren seiner langjährigen Wirkungsstätte, der Pfarrkirche St. Nicolai.
Sein literarisches und musikalisches Werk, besonders sein Choral ,,Nun danket alle Gott" lebt weiter.

zurück zum Inhaltsverzeichnis Andreas Flegel

Kossa
Zwischen den beiden Heidedörfern Kossa und Gossa zu unterscheiden, füllt den Sachsen und -Anhaltern schwer. Ein ,,K" gibt es nicht! Über Gossa mit seiner trutzigen Wehrkirche haben wir schon geschrieben, von ,,Gosse" ist heute die Rede.

Das Rittergut in Kossa wurde am 29.11.1464 in einem Lehensbrief des Kurfürsten Ernst und des Herzogs Albrecht zu Sachsen für die Brüder Spiegel zu Gruna erstmals urkundlich erwähnt. Das Vorwerk zu Kossa existierte schon vor 1464. An die Adelsfamilie derer zu Spiegel erinnert heute noch die längst ausgediente Wassermühle in Durchwehna, die den Namen Spiegelmühle führt.
Das Gebiet um Kossa stellte eine unverkennbare Heidelandschaft dar. Undurchdringliche, urtümliche Wälder, Sümpfe und ausgedehnte Heidewiesen wechselten einander ab.
Die Kurfürsten von Sachsen jagten zu dieser Zeit oft und gern in den Wäldern der Dübener Heide, wahrscheinlich kommend von den Schlössern Pretzsch und Torgau. Heute erinnern noch viele Wege an diese Begebenheiten. Der Kurhutweg, der von Söllichau über Kossa führt und früher weiter bis Wildenhain ging oder der Schwertweg zur Friedrichshütte, sollen dies als Beispiel belegen.
Das Dorf Kossa sowie die Dübener Heide haben offenbar unter den Begleiterscheinungen und Folgen des Dreißigjährigen Krieges mehr zu leiden gehabt, als aus den zur Verfügung stehenden Akten hervorgeht.
Die Verheerungen des langjährigen Krieges hinterließen viele wüste Marken, verbrannte Dörfer und Städte, aus denen Bewohner nicht selten Dutzende Male vor einfallenden Söldnern fliehen mussten.
Die Einwohner von Kossa sollen sich in den Wäldern und Sümpfen in Richtung Falkenberg in der Nähe der Flurbezeichnung Kastenwiese verborgen haben.
Die Landsknechte und Soldaten, vor allem schwedische Soldaten, führten  mehr Ritte gegen die Bauern als gegen den Feind im Felde.
Der Grund ist darin zu sehen, dass die Soldaten sich oft selbst verpflegen mussten und durch die Länge des Krieges die Plünderungen von Städten und Dörfern mehr in den Vordergrund rückten als  eigentliche Kampfhandlungen.
Die Bauern ließen sich nicht widerstandslos töten, s4ndern leisteten oft kraftvolle Gegenwehr, indem Hinterhalte angelegt wurden. Die Frauen und Kinder mussten das Vieh in sorgsam ausgesuchte Moor- und Waldschlupfwinkel mitführen. Diese Schlupfwinkel waren durch sogenannte Schutzdorne umgeben.
Umgangssprachlich ist heute bei älteren Leuten die Bezeichnung ,,Schwedentrunk" bekannt. Gefangene Bauern wurden damit gequält, wenn sie ihre Schlupfwinkel nicht verraten wollten, indem ihnen mittels eines Trichters Jauche in die Speiseröhre geschüttet wurde.
Im Jahre 1637 wütete die Pest in Kossa. Der Pfarrer Reineciu trägt in Kossa 1637 in einem halben Jahr 76 Sterbefälle in das Kirchenbuch ein. Auch im Jahre 1638 hält die Sterblichkeit an. 1639 ist vermerkt, dass in jenem Jahr niemand gestorben sei und dass aber nur noch fünf Personen am Leben geblieben sind.
Das Dorf Kossa selbst soll vollends verwüstet worden sein. In den darauffolgenden 40er Jahren begann das Dorf wieder aufzuatmen und Bauern aus Stellen die wüst blieben, stellten sich aus den umliegenden Wäldern ein. Die Mehrzahl der Gebäude war aus Holz, Lehm und Stroh gebaut und daher rascher als die steinernen Gebäude wieder zu errichten.
Die alte Kirche, die Mitte des 15. Jh. entstanden war, wurde sicherlich auch zerstört, denn 1694 wurde eine neue Kirche, die die beste in der Parochie Authausen mit Turm, drei Glocken und guter Uhr war, eingeweiht. Die Kirche in dieser Form bestand bis zum 26. Juni 1936. An diesem Tag hauste ein schweres Unwetter. Der Kirchturm wurde durch Blitzschlag in Brand gesetzt und brannte ab. Im Jahr 1936/ 1937 wurde der Turm in der jetzigen Form wieder aufgebaut.
1990 erhielt das Kirchendach rote Dachziegel. Vor drei Jahren bekam der Altar ein neues Bild, das Herr Hartmann aus Durchwehna malte, es stellt Jesus beim Abendmahl mit seinen 12 Jüngern dar.
So ist Kossa mit seiner prächtigen Kirche heute ein schönes und gepflegtes Dorf. Am Ortsrand, auf dem Wege nach Durchwehna ist die Siedlung ,,Am Sonnenhang" entstanden, mit hübschen Häusern haben neue Einwohner die Gemeinde vergrößert. Handwerk und Gewerbe hat seinen Platz gefunden, Konsum und Bäcker sorgen für das leibliche Wohl und beim Bauern krähen die Hähne.
Kossa liegt in reizvoller Landschaft, bewaldete sanfte Hügel laden zu Wanderungen ein. Also lassen Sie sich überraschen, wenn am Ortseingang steht ,,Willkommen im Erlebnis Dorf'!
Christina Fichtner

zurück zum Inhaltsverzeichnis

Der Große Teich Torgau

Der Torgauer ,,Große Teich" als größter Teich in Sachsen und wahrscheinlich auch in Deutschland wurde 1483/84 auf kurfürstlichen Befehl als Fischteich angelegt. Er hat eine Fläche von 220 ha und ein Wassereinzugsgebiet von zirka 350 Quadratkilometern
Damals wurde dafür ein in Höhe des heutigen Strandbades gelegenes Dorf umgesiedelt Als Frondienst mussten die Bauern mit Ochsengespannen den ca. 1000 m langen Damm aufschütten. Der Teich diente damals auch als Wasserspeicher, um im Kriegsfall die Torgauer Burgräben schnell mit Wasser zu füllen. Heute wird der Große Teich von der
Teichwirtschaft Wermsdorf/Torgau bewirtschaftet Im Teich wachsen Karpfen, Schleie, Welse, Hechte, Barsche sowie eine große Anzahl von Wildfischen. 1994 wurden während der Abfischung durch einen Naturschutzexperten 26 verschiedene Fischarten im Großen Teich nachgewiesen.
Der Karpfen als wichtigster Fisch in unserer Teichwirtschaft wird als zweijähriger Fisch aus Wermsdorfer oder Torgauer Teichen gefischt und im Großen Teich ausgesetzt. Hier wächst er in einem Sommer zum Speisefisch heran, um dann auf den Tischen der Fischkenner bundesweit serviert zu werden. Bereits 1920 wurden Torgauer Karpfen per Bahn und Schiff im Hamburger Fischmatt und sogar nach London transportiert und verkauft.
Seit 1992 ist der Große Teich zu 2/3 Naturschutzgebiet, da er für viele Tausend Wasservögel als Brut-, Rast- und Futterplatz dient. So leben hier unter anderem im Sommer ca. 400 Schwäne und es überwintern 20.000 - 30.000 Gänse. Auch seltene Tiere finden hier eine Heimat, z.B. der Schwarzstorch, der Biber und der Seeadler Auf dem Gelände der Teichwirtschaft befindet sich seit 1992 der Biberhof des Naturschutzbundes Deutschland e. V.
Die Hauptnahrung der Fische sind Wasserflöhe, Insektenlarven und Kleinkrebse. Das garantiert ein hochwertiges, gesundes Fischfleisch. Somit trägt der Fisch in bedeutendem Maß zum Nährstoffaustrag aus dem Gewässer bei.
Durch Untersuchungen ist bewiesen, dass der Auslauf der naturnah bewirtschafteten Fischteiche oft eine bessere Wasserqualität hat als der Einlauf Ist der Sommer vorüber; beginnt das Ablassen des Teiches. Innerhalb von 10 Wochen fließt das Wasser vom Teich über den Schwarzen Graben und die Weinske bei Dommitzsch in die Elbe. Wenn im Teich nur noch die Abfischgrube mit Wasser und Fischen gefüllt ist, beginnt die Karpfenernte.
Wir führen in jedem Jahr die Tradition des Torgauer Fischerfestes fort und laden alle Interessierten ein. Für unsere Gäste steht im Teich auf einer großen Sandbank ein Festzeit. Dort können Fischspezialitäten probiert und gekauft werden. Gern können sie uns Fischern beim Netzauslegen und -einholen sowie beim Fische sortieren und verladen zuschauen. In Aquarien werden ihnen die Fischarten des Großen Teiches genauer vorgestellt.
Natürlich können sie die gefangenen Fische aller Art am Teich kaufen und frisch geschlachtet mit nach Hause nehmen. Im Zeitraum Anfang Oktober bis Anfang Mai besteht die Möglichkeit, Lebend- bzw. Frischfisch Freitags von 14.00- 17.OOUhrund Samstag von 9.00
- 11.00 Uhr direkt auf dem Torgauer Fischereihof zu kaufen. Ganzjährig erwartet sie Räucherfisch, Frostfisch, Fischsalate sowie Backfisch an unserem Fischimbiss an der Einfahrt zur Hälteranlage an der B 182. Für Teichbesitzer und Anglervereine bieten wir verschiedenste Satzfischarten zum Verkauf an.
Thomas Plate

zurück zum Inhaltsverzeichnis

Kleinod vor historischen Burg - und Schlossmauern
Der barocke Schlossgarten am Delitzscher Schloss

Die frühere Burg und das spätere Schloss Delitzsch in unmittelbarer Nachbarschaft der historischen Altstadt stellte traditionell einen Teil der mittelalterlichen Wehranlage dar Noch heute ist die etwa vier Meter hohe Stadtmauer in 1,4 km Länge erhalten und über die Hälfte des Stadtgrabens ist noch mit Wasser gefüllt. Zwischen 1389-91 wurde die Delitzscher Burg erbaut, von der der heutige Schlossturm einen Bestandteil bildet.
Etwa 1550 wurde die Anlage zu einer repräsentativen Renaissanceschlossanlage umgebaut und diente den sächsischen Kurfürsten als Reiseresidenz und als Verwaltungsmittelpunkt des kur-sächsischen Amtes Delitzsch. Nach der Schaffung des Sekundogeniturfürstentums Sachsen-Merseburg wurde das Schloss nach umfangreichen Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen zum Witwensitz der Herzöge von Sachsen-Merseburg bestimmt.
Es war die Herzogin Christiane von Sachsen-Merseburg, eine geborene Prinzessin von Schleswig-Holstein zu
Glücksburg, die 1692 hier mit ihrem Hofstaat einzog. Sie ließ 1692/93 in unmittelbarer Nachbarschaft des Schlosses einen barocken Park in ,,französischer Manier" anlegen.
Ein aus dem Jahre 1734 stammender Plan zeigt die alte Wegeführung und ornamentale Bepflanzung. Er zählt zu den frühesten barocken Gartenanlagen
im mitteldeutschen Raum und dürfte in seiner Gestaltung einmalig sein.
Seit 1996 wird der barocke Schlossgarten nach historischer Vorlage wiederhergestellt und ist in seinem ersten Abschnitt für Besucher zugänglich. Die Rekonstruktionsarbeiten sollen im Jahre 2001 vollständig abgeschlossen sein.
Aber nicht nur der Schlosspark ist ein Besuch wert, auch das im Delitzscher Schloss eingerichtete Museum birgt eine ungeahnte Reichhaltigkeit an Sammlungsbeständen. Es ist die größte museale Einrichtung im nordwestsächsischen Raum und bietet neben den restaurierten Privatgemächern der herzoglichen Familie auch Ausstellungen zur Stadt- und Handwerksgeschichte, zur ländlichen Hauswirtschaft und zur Kunst. Ein Blick vom 35 Meter hohen Schlossturm lässt die Sicht bis nach Leipzig zu.

Öffnungszeiten von Museum, Stadt-Info im Schloss und Barockgarten:
Dienstag bis Donnerstag und Sonntag 10.00-12.00 und 14.00-17.00 Uhr
Dr. Manfred Wilde

zurück zum Inhaltsverzeichnis

© by GPVmanagement® 1998  - 2008