
Altweibersommer in der Dübener Heide
Als Altweibersommer bezeichnet der Volksmund eine ziemlich regelmäßig auftretende
Schönwetterlage im September, die manchmal bis in den Oktober reicht.
Eine kennzeichnende Erscheinung des Altweibersommers sind die vielen Meter langen
Spinnweben, die besonders an frühnebligen Morgen, infolge der anhängenden Tautropfen an
den Kiefern oder Farnen sichtbar werden. Die Dübener Heide erscheint dann wie verzaubert.
Aber auch am Mittag kann man in der Sonne die Spinnfäden treiben sehen. Wenn diese Fäden
im Licht glitzern, dann erinnern sie an das feine weiße Haar alter Frauen.
Die Spinnfäden werden von noch winzig kleinen Krabbenspinnen hervorgebracht, die vom
Winde erfasst und fortgetragen werden.
Viele Menschen bezeichnen diese Tage auch als die fünfte Jahreszeit. Die heiße Zeit des
Sommers ist vorbei, die Nächte oft schon recht kühl, aber der Herbst hat noch nicht so
richtig Einzug gehalten. In dieser Zeit ist es im Naturpark Dübener Heide einmalig schön
denn die Laubfärbung beginnt. Alle Farbtöne kann man bei einem Spaziergang, einer
Wanderung oder Fahrradtour entdecken. Es ist auch die große Zeit der Pilzsammler, die bei
uns in der Region zwischen Mulde und Elbe reiche Ernte finden.
Der Fremdenverkehrsverband Dübener Heide lädt Sie herzlich zu einem Besuch ein.
Verbringen Sie einen schönen Tag oder ein Wochenende bei uns, so beim Köhlerfest in
Tornau, dem Tanzfestival am Ochsenkopf und dem Burgfest in Bad Düben sowie den
Fischerfesten beim Abfischen unserer Teiche.
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Wanderreiten ohne Gepäck
1. Rundwanderreitweg durch die Dübener Heide
Seit Juni diesen Jahres steht dem Reittourismus im Naturpark Dübener
Heide der 1. Rundwanderreitweg zur Verfügung. Die Interessengemeinschaft Freizeitreiter
hat mit vielen Verbündeten eine Strecke gefunden, die durch reizvolle Heidelandschaften
und durch idyllische Wälder führt. So schweift der Blick durch wehe Fluren, und die
Augen genießen die Flora und Fauna. Von Zeit zu Zeit spenden die Bäume für Pferd und
Reiter kühlenden Schatten.
Die Wegstrecke von über 80 km ist so aufgeteilt, das eine anspruchsvolle Drei-Tagestour
geritten werden kann. Angeschlossen an die Strecke sind die Reiterhöfe
,,Schwarzbachhof" aus Sprotta, der ,,Mädchenpferdehof Authausen", der
Freizeitreiterhof Zu den Pappeln" in Dommitzsch sowie der Reiterhof Hauck in
Wöllnau.
In den vier Höfen werden Anmeldungen für die Ritte entgegengenommen. Hier besteht für
die Teilnehmer die Möglichkeit der Übernachtung, verbunden mit einem reichhaltigen
Frühstück und einem deftigen Abendessen. Von dort aus wird auch das Gepäck der Reiter
zum nächsten Übernachtungsort transportiert.
In schönen Heidegaststätten, welche sich auch prima auf vierbeinige Gäste eingestellt
haben, wird unterwegs gespeist: z.B. in der Gaststätte ,,TAUER" in
Dahlenberg, dem
Waldhotel ,,Zur Hachemühle" und dem ,,Heidekrug Wöllnau.
Für jeden, der das Reiten im Gelände liebt, sich mit seinem Kameraden Pferd in der Natur
wohlfühlt, wird diese Reittour ein unvergessenes Erlebnis bleiben.
Ellen Engel
Naturpark Dübener Heide e. V Projekt-Mitarbeiterin
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Kennen Sie den???
Herbstzeit - Pilzzeit
in der Dübener Heide ist das nicht anders.
Vielfältig bunt ist das Angebot, und wenn das Wetter mitspielt, dann
sind Völkerscharen mit Spankörben unterwegs. Es findet der sicher eine Mahlzeit an
Speisepilzen, der ein solides Grundwissen besitzt, den sogenannten Pilzverstand. Der
erschöpft sich nicht in Pfifferlingen und Steinpilzen. Der schließt auch den
schmackhaften Anisegerling mit ein und den Perlpilz und den flockenstieligen Hexenpilz -
alle eßbar und wohlschmeckend.
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1. Tornauer Köhlerfest und
2. Europäisches Köhlertreffen
Die Köhlerei war einmal ein wichtiges Handwerk in der Dübener Heide
Die geringen landwirtschaftlichen Erträge auf den sandigen
Böden der
Dübener Heide zwangen die Bevölkerung, sich auch vom Walde zu ernähren. Dazu gehörte
im wesentlichen die Herstellung von Holzkohle. Zur Produktion waren keine kostspieligen
Grundmittel erforderlich: Ein Stück Land in einer Lichtung oder am Waldrand; das Holz
lieferte der Wald und das andere war harte und ,,schwarze" Arbeit.
Der Bedarf an Holzkohle war vorhanden. Zu den Hauptabsatzgebieten der Dübener Heide
zählten die Großstädte Halle und Leipzig.
Die Holzkohle wurde eingesetzt:
- im Haushalt zum Erhitzen der Plätte (Bügeleisen),
- im Handwerk zum Beheizen von Schmiedefeuer der Mechaniker, Kupferschmiede und Klempner,
- für die Schmelzöfen in den Gießereien,
- zum Färben und zum Klären und Filtern von Flüssigkeiten,
- zur Herstellung von Zahnpulver,
- zur Linderung von Durchfall bei Mensch und Tier
In den Orten der Dübener Heide gab es vielfach mehrere Bewohner, die der Köhlerei
nachgingen. Kreisrunde, schwarze Flächen auf Feldern in der Nähe des Waldes weisen noch
heute auf
Standorte von Kohlemeilern hin. Der oft vorkommende Familienname ,,Köhler" leitet
sich vom Beruf ,,Holzköhler" ab.
In Sagen und Erzählungen kommt der Köhler oft vor:
ein erzgebirgischer Köhler vereitelte 1455 den Raub der sächsischen Prinzen Ernst und
Albrecht.
Wie geht nun die Köhlerei vor sich?
Zuerst errichtet der Köhler eine Hütte. Er muß ja den Meiler Tag und Nacht unter
Kontrolle haben. Die ,,Köte" besteht aus kegelförmig zusammengestellten Stangen.
Gegen Regen ist sie mit Heidekraut und Graskaupen abgedeckt. Als Kochherd dienen zwei
Feldsteine.
Das Rohmaterial zur Holzkohleerzeugung besteht aus Meterknüppeln jeder Stärke. Das Holz
wird geschält, da Rinde keine Kohle liefert und im Meiler Platz wegnimmt. Für einen
Meiler werden etwa 30 Raummeter Holz verwendet. Die Knüppel liegen im Rund zum Greifen
bereit. In der Mitte wird zuerst aus übereinandergeschichteten Knüppeln ein Schlot
errichtet An den Schlot stellt der Köhler nun das Holz. Je dichter die Knüppel stehen,
um so mehr und bessere Ware gibt es. Von etwa drei Metern einer gedrückten Halbkugel
gleicht. Dieser fertige Holzhaufen wird nun mit grobem Material, wie Moos, Heide- oder
Heidelbeerkraut so belegt, dass keine Erde zwischen die Hölzer rieseln kann. Die nun
aufgebrachte Erdschicht dichtet den Meiler luftdicht ab.
Durch Einschütten von glühender Kohle in den Schlot wird der Meiler gezündet. Mit einem
angespitzten Pfahl stößt der Köhler von allen Sehen dicht über dem Erdboden Zuglöcher
durch die Erdschicht. Sobald der Schlot durch das Feuer allmählich von unten nach oben
verbrannt ist, werden die Zuglöcher und der Schacht mit Erde abgedichtet. Der Aufbau
erfolgt in drei Etagen, so dass der fertige Meiler mit einer Höhe von etwa 3 Metern einer
gedrückten Halbkugel gleicht. Der Sauerstoff im Meiler ist bald verbraucht, das Flammenfeuer muß erlöschen und
das Holz im Meiler beginnt von der Mitte nach außen und von oben nach unten zu
schwelen. In die Meilerdecke sticht der Köhler kleine Löcher; damit die entstehenden Gase
entweichen können. Durch Luftlöcher an den Seiten regelt und lenkt er den Schwelbrand im
Meiler. Sobald der Rauch eine bläuliche Farbe annimmt, muss er die Zuglöcher tiefer
setzen, bis er auf dem Erdboden ist. Der Meiler sinkt bis zur Hälfte zusammen. Der Brand
in dieser Größe dauert etwa sechs bis sieben Tage. Alle Luftlöcher werden geschlossen
und der Meiler kühlt sich ab. Eine ständige Kontrolle ist notwendig, damit sich das
Feuer durch Luftzufuhr nicht neu entfachen kann und die gesamte Kohle zu Asche wird.
Einige Tage vergehen, bis die Erde abgeräumt und die Kohle herausgezogen werden kann. Der
Köhler sortiert die verkohlten Hölzer nach Qualität. Die nicht vollständig verkohlten
Hölzer kommen in den nächsten Meiler. Die Kohle wird nun in Säcke gepackt. Durch das leichte Gewicht der Holzkohle werden die
Pferdewagen hoch beladen und in die Stadt gefahren.
Herben Klepel
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Am 18. Juli enthüllt und schon eine kleine
touristische Attraktion des Naturparks:
Die kursächsiche Halbmeilensäule am Eisenhammer
August der Starke(169$ - 1733), Kurfürst in Sachsen und König von Polen, erteilte
1721 einen Befehl, nachdem in Sachsen alle Post- und Landstraßen vermessen und mit
Meilensteinen und Säulen versehen werden sollten. Vor den Toren der Städte sollten
wappenverzierte Distanzsäulen über Postlinien und Entfernungen Auskunft geben.
Mit der Durchführung wurde der Pfarrer Adam Friedrich Zürner aus Skassa bei Großenhain
betraut, der dem Hof in Dresden bereits 1711 durch eine ,,Special-Landt&harte von
Großenhain" bekannt geworden war. Da das Kurfürstentum vor 280 Jahren von der Saale
bis in die Odergegend und vom Erzgebirge bis kurz vor Brandenburg reichte, war dies eine
gewaltige Aufgabe. Sie war von vornherein mit vielen Problemen behaftet, da die Kosten von
den Städten und Gemeinden zu tragen waren.
Die Poststraße von Leipzig nach Wittenberg, sie entspricht im Bereich der Dübener Heide
weitgehend der Bundesstraße 2, wurde bereits 1722 vermessen. Ausgangspunkt war die
Distanzsäule am Hallischen Tor in Leipzig. Insgesamt wurden von dort bis Wittenberg 29
Pfähle für Meilenzeichen eingeschlagen und die Standorte in entsprechenden Protokollen
beschrieben. Bis 1725 waren alle Steine und Säulen in der Dübener Heide
Die sächsische Postmeile hatte eine Länge von umgerechnet 9062 m. In Abständen von je
einer Viertelmeile (2265,5 m) wurden im Wechsel ein Viertelmeilenstein, eine
Halbmeilensäule, ein Viertelmeilenstein und dann eine Ganzmeilensäule aufgestellt. Diese
Straßensteine und Säulen waren fortlaufend nummeriert. Die Entfernungsangaben auf den
Säulen erfolgte in Stunden (St.),
die aber nicht mit der Fahrzeit der Postkutsche gleichzusetzen sind. Die Stunde war damals
auch ein Wegemaß und hatte die Länge von 4531 m, also einer halben Meile.
Auf Beschluss des Wiener Kongresses fielen 1815 weite Teile Sachsens an Preußen. In der
Folge verschwanden in diesen Gebieten nach und nach diese Säulen. Da man mit
Baumaterialien sparsam umging, wurden die Steine wiederverwendet oder verkauft.
Beim Abriss von alten Bauwerken werden dadurch immer wieder mal Teile von Postsäulen
entdeckt. So wurden z.B. die Schriftblöcke der Distanzsäulen Gräfenhainichen und
Kemberg beim Abbruch der örtlichen Schulen aufgefunden. Ähnlich verhielt es sich mit
zwei Teilen einer Halbmeilensäule, die beim Abbruch eines Schafstalles bei Tiefensee,
westlich von Bad Düben, entdeckt wurden. Untersuchungen ergaben, dass die Säule auf
,,Kirchloser Marck", heute Tornau, Ortsteil Eisenhammer; gestanden hat. (Wir
berichteten darüber in unserer Winterausgabe 1996/97).
Im Vorfeld des 99. Deutschen Wandertages bemühte sich der Verein Dübener
Heide e.V. um die Fertigung einer Kopie. Von Mitgliedern der Forschungsgruppe
Kursächsische Postmeilensäulen e.V. wurde die dokumentarische Zuarbeit erbracht.
Die Steinmetzarbeiten führte der Diplombildhauer Dirk Brüggemann in Leipzig aus.
Aufgestellt wurde die Säule an der Straßenkreuzung 82 und der Straße Gräfenhainichen
Söllichau.
Die Inschrift auf der Säule lautet in Fahrtrichtung Norden:
AR Kemberg 3 St. 1/8 Wittenberg 5 St. 3/4 1723
in Richtung Süden: AR Düben 1 St. 3/4 1723
Dass es das 18. Meilenzeichen an der Straße Leipzig-Wittenberg war zeigt
die,,18"ander Straßenseite.
Das vergoldete Monogramm ,AR" steht für Augustus Rex. Unter den Jahreszahlen
befindet sich das Symbol der Post ein vergoldetes Posthorn. Mit der Halbmeilensäule am
Eisenhammer, den Distanzsäulen in Kemberg und Gräfenhainichen und dem Viertelmeilenstein
bei Torgau an der B 87 in Obernauendorf ( Schwarzer Bär) stehen nun in der Dübener Heide
vier Denkmale der Verkehrsgeschichte aus Kursächsischer Zeit.
Wanderer; Radler oder einfach Reisende nutzen die Gelegenheit zu einem
Blick auf die schlanke Säule. Mancher von ihnen legt gegenüber beim
,,Schlemmerstübchen" eine Rast ein und erfreut sich an ihrer schlichten Schönheit
etwas länger.
Günter Göricke
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Gesundheit in gediegener Eleganz
Am 14. Oktober wird das neue Bad Schmiedeberger Kurmittelhaus seiner Bestimmung
übergeben.
Zwischen Schwanenteich und historischem' Kurpark gelegen, fügt sich das
neue Gebäude harmonisch in das Ensemble von Jugendstilkurhaus, Rehaklinik und Trinktempel
ein. Der Leipziger Architektin Barbara Scholz des Unternehmens Leipzig Projekt ist es
hervorragend gelungen, die große Breite medizinischer und therapeutischer Funktionen in
ein Haus von gediegener Eleganz zu bringen. Die Anwendungen der ortsgebundenen
natürlichen Heilmine - Moor und Mineralwasser - erfahren hier auf ideale Weise ihre
Verbindung mit klassischer und modernster Medizin.
Neben den bewährten Naturmoorbädern und -packungen können die Besucher erstmals auch
die hiesigen wertvollen Mineralwässer für Trinkkuren nutzen.
Ein großzügig gestaltetes Foyer empfängt die Gäste, die Rezeption steht für
Informationen, Fragen und die Therapieplanung zur Verfügung. Ebenfalls im Eingangsbereich
befindet sich der Ausschank der Mineralwässer des Margarethenbrunnens und des
Kurfürstenbrunnens. Der radonhaltige Bad Schmiedeberger Kurfürstenbrunnen wird darüber
hinaus zu Inhalationen und medizinischen Bädern verordnet.
Über das Foyer erreicht man die Schwimmhalle. Durch die variable Beckentiefe können nun
neben klassischen auch moderne Therapiearten praktiziert werden. Das breite Spektrum
Kneippscher Anwendungen wird sinnvoll durch ein Tretbecken ergänzt. Ein Konferenzraum,
mit modernster Technik ausgestattet, wird eine Qualitätsverbesserung der medizinischen
Vortragsreihen ermöglichen und für das Kultur- und Freizeitangebot interessante
Ergänzungen bringen.
Behandlungsräume für Moortherapien, Medizinbäder, Massagen, Elektrotherapien, ideale
Möglichkeiten für Sport und Fitness, Ergotherapien, Kochkurse, Ernährungsberatungen,
Entspannungskurse auf rund 3000 Quadratmetern machen das Haus zu einem der modernsten
Therapiezentren des Landes. Hier kann jedermann das breite Leistungsangebot nutzen,
entweder als ambulanter Kurgast, als Privatpatient, im Rahmen eines der günstigen
pauschalen Angebote des Eisenmoorbades oder auf Verordnung des Hausarztes.
Der Gästeservice ist auch in das neue Haus umgezogen und berät zu ambulanten und
pauschalen Angeboten des Eisenmoorbades.
Zum Verweilen laden ein neues Cafe, Kaminzimmer und Atrium ein. Im Lichthof gibt es über
drei Etagen Ausstellungsflächen. Diese Galerie wird mit Eröffnung des Hauses durch die
Leipziger Birkner Stiftung gestaltet. Bücherfreunde werden das Angebot der
Stadtbibliothek nutzen, die im Kurmittelhaus ihr neues Domizil erhält.
Genaue Informationen zu allen Leistungsangeboten gibt der Gästeservice des
Eisenmoorbades. Frau Regine Lehmann und Herr Gunter Wilke beraten gern und sind
telefonisch erreichbar unter (034925) 63037oder62828.
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Putzi
Fast zwei Jahre teilten wir mit einem Eichhörnchen die Wohnung. Die Formulierung ist
beabsichtigt. Denn als ich den aus dem Kobel gefallenen Winzling mühsam mit der Flasche
aufgepäppelt hatte, beherrschte er (oder sie?) unser Heim.
Sein Käfig - mit dunkler Unterkunft im hinteren Teil - stand in meinem
Zimmer. Aber kann man so ein herziges Wesen immer einsperren? Also war Freilauf angesagt.
Erst vorsichtig, dann immer dreister nahm Putzi die gesamte Wohnung in Beschlag. Er
versteckte sich in der Couch, machte im Sessel sein Nickerchen und fuhr mit ärgerlichem
Keckem auf wenn man ihm den Platz streitig machen wollte. Weil er dabei drohend die Zähne
zeigte, kapitulierten die Familienmitglieder und überließen ihm das Territorium.
Nur mich liebte Putzi abgöttisch. Er kletterte auf meine Schulter, tuckerte leise vor
sich hin und schmuste mit mir. Das ging soweit, dass ich mit Putzi auf der Schulter
einkaufen gehen konnte.
In der fünften Klasse behandelten wir die Nagetiere, da wollte ich das Tierchen im
Unterricht zeigen. Nach kurzem Training fühlte sich Putzi in meiner Schultasche wohl und
ließ sich darin umhertragen. Was für ein Hallo, als ich den lebendigen Nager
präsentierte. Selbst unser recht beliebter Bio- Lehrer konnte keine Ruhe schaffen. Das
ging Putzi auf den Geist und er ließ sich trotz Leckerbissen nicht wieder greifen. Nur
gut daß unser Pauker ein ,,echter Lehrer" mit Verständnis war. ,,So wird das
nichts! Alles raus auf den Schulhof, außer Göhe, der versucht das Tierchen wieder zu
haschen". Wenn du den Ausreißer wieder hast, bring ihn nach Hause. Vom Unterricht
bist du für heute befreit."
Natürlich war ich am nächsten Tage der ,,Held". Aber Putzi schien der Soloauftritt
zu Kopf gestiegen. Oder lag es an seinem zunehmenden Alter? Jedenfalls begann er
neuerdings Stuhl- und Tischbeine anzunagen. Wollte man ihn greifen, sauste er an den
Gardinen empor, denen das auch nicht besonders bekam; er setzte sich auf die
Gardinenstange und schimpfte herunter.
Das ging nun wirklich zu weit! Also gab's ständigen Käfig-Arrest! Doch da wurde Putzi
immer apathischer. Wieder war Onkel Karl der Retter: ,ich nehme Putzi mit, wenn ich wieder
zum Angeln fahre und lasse ihn dort frei."
Der Ausweg leuchtete ein und die Familie nahm tränenreich Abschied. Sooft ich aber in
Onkels Angelrevier herumstrolchte, rief und lockte, Putzi ließ sich nie wieder blicken.
Die freie Natur gefiel ihm wohl besser als unser für menschliche Begriffe gemütliches
Zuhause.
Karl-Heinz Göhe
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Sieh da - unsere Nachbarn
Die alte Weinpresse und der neue Weinbau auf den Jessener Bergen
Seit dem 7. Oktober 1979 steht die alte Weinpresse an der Bundesstraße
187 gegenüber dem Bergschlößchen auf den Jessener Bergen. Ursprünglich befand sich die
Presse als Bestandteil eines Preßhauses im Besitz der Familie Rehayn auf den Schweinitzer
Bergen.
Mit der Aufstellung der alten Weinpresse soll an den Jahrhunderte auf den Arnsdorf
Jessen-Schweinitzer Bergen kultivierten Weinbau erinnert werden. Hatten Antonitermönche
die ersten Rebstöcke im 13. Jahrhundert gesetzt, so konnte sich der Weinbau im
Mittelalter bis auf 300 Hektar ausdehnen.
Der Niedergang setzte im vorigen Jahrhundert ein, und bis auf 1,25 Hektar war die Fläche
geschrumpft, ehe die Jessener LPG Gartenbau 1977 mit einer Aufrebung von 1,8 Hektar am
Bergschlößchen den Neuanfang machte. 10 Jahre später kam eine Fläche von 1,4 Hektar
auf ,,Kuhrrrianns Steinberg" nahe dem Himmelberg dazu. 1989 wurden von der
Genossenschaft 4,45 Hektar Rebfläche bewirtschaftet.
In den neunziger Jahren sahen junge, engagierte ,,Bergsche" ihre Chance im Weinbau
und machten sich selbständig. Während die Familie Zwikker (Döbelt) den Hausberg von der
Genossenschaft übernahm, pflanzte Familie Hanke vor allem auf dem klimatisch günstiger
gelegenen Oberbergen 5 Hektar Wein an. Neben den Hauptsorten des Gebietes, dem
,,Müller-Thurgau" und dem ,,Riesling", wurden der ,,Kerner" als Weißwein
und der ,,Schwarzriesling" als Rotweinsorte neu im Gebiet eingesetzt. Parallel zu den
Neupflanzungen wurde auch eine umfangreiche Modernisierung des Maschinenparks vorgenommen.
Als Beispiel seien der Maischewagen und eine hochproduktive Presse genannt.
Da von dem Weingut Gebr. Hanke der Weinanbau ausgebaut wird, mußte die Kellerwirtschaft
ebenfalls den neuen Ansprüchen angepasst werden. Einzug hielten u.a. neue Filter, Pumpen
und Tanks. Zum Weingut gehört neben Verkauf ab Hof auch Verkostung in einer Weinstube.
In dem von Andrea Zwicker (geb. Döbelt) betriebenen Weinausschank wird ebenfalls eigener
Wein angeboten. Übrigens, der 1 Hektar große ,,Hausberg" wurde einst von Ernst
Schmidt, dem Nachkommen einer der letzten kursächsischen Winzer aufgerebt. Heute
musste hier die aufwendige Stockerziehung der Rebstöcke der Drahtrahmenerziehung weichen.
Höhepunkt im Weinjahr der Stadt Jessen ist ohne Zweifel die seit 1993 anlässlich
des
Jessener Schul- und Heimatfestes vorgenommene Kürung der Jessener Weinprinzessin. Großer
Beliebtheit erfreut sich der jeweils dienstags veranstaltete Weinabend an der idyllisch
gelegenen Freilichtbühne. Nach dem Programm, welches unter Mitwirkung Jessener Chöre
stattfindet, wird zum gemütlichen Teil übergegangen. Bei Blasmusik, Wein und Fettbemmen
wird dann bis spät in die Nacht gefeiert.
Peter Raschig
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Martin Rinckart Kaiserlicher Poet
Im Dezember vor 350 Jahren verstarb in Eilenburg mit Martin Rinckart eine
Persönlichkeit dessen Erbe auch in der Gegenwart außerordentlich lebendig ist. Vor allem
sein Lied ,,Nun danket alle Gott", welches zu herausragenden Ereignissen deutscher
Geschichte erklang und nicht nur von der Christenheit zu festlichen Anlässen weltweit
angestimmt wird, ließ ihn unsterblich werden.
In vielfältiger Form wird das Erbe in seiner Heimatstadt gepflegt und bewahrt und
werden seine Leistungen gewürdigt. Eine Straße und das altehrwürdige Gymnasium im
Zentrum der Stadt tragen seinen Namen. Eine Gedenktafel an seiner langjährigen
Wirkungsstätte, der Stadtkirche St. Nicolai, erinnert an den Theologen und religiösen
Liederdichter.
Die Rinckarts waren eine ,wohl über anderthalb hundert Jahre zu Eilenburg, Delitzsch und
Dieben wohlbekanntes Geschlecht". Besonders in Eilenburg bekleideten sie über
Generationen gewichtige Ämter.
Am 24. April 1586 erblickte Martin Rinckart das Licht der Welt. Seine Eltern lebten in
bescheidenen Verhältnissen. Er schrieb selbst: ,,Nur durch die Mittel armer Eltern und
durch ihre behutsame Handarbeit bin ich bis in das 15. Jahr notdürftig erhalten und
unterhalten worden.". Dennoch pflegten Martins Eltern, wie alle Rinckarts, die Musik
und förderten die Gaben und Neigungen ihrer Kinder. Mit dem 5. Lebensjahr nahm Martin
bereits am öffentlichen Unterricht teil. Seine Lehrer rieten dem begabten Jungen ein
Theologiestudium an der Thomasschule zu Leipzig. Gleichzeitig war aber der junge Thomaner
seit 1602 an der Universität Leipzig eingeschrieben. 1609 schloß er sein Studium mit dem
akademischen Grad eines Baccalaureus ab.
Der 23jährige Rinckart bewarb sich um das vakante Diakonat an St Nicolai in seiner
Vaterstadt. Vom damaligen Superintendenten Büffner wurde seine Bewerbung allerdings
abgelehnt, mit der Begründung: ,,bewerber habe bisher nicht dem studio
theologico,
sondern philosophico obgelegen", sonderlich habe er musicum getrieben." Er ging
1610 an das Gymnasium in Eisleben und heiratete Christina Morgenstern. 1613 erfolgte seine
Berufung
in das Pfarramt von Erdeborn. In diesem mansfeldischen Dorf erlebte Rinckart eine
glückliche Zeit. Hier entstanden und erschienen seine ersten dramaturgischen Werke und
hier wurde ihm kurz nach seiner Ankunft sein erster Sohn geboren.
1615 wurde er zum kaiserlichen Poeten gekrönt. Rinckart kehrte Ende 1617 für immer in
seine Heimatstadt zurück. Beim Amtsantritt in Eilenburg fand er ein vielfältiges
kirchliches Leben vor. Die Bürger der Stadt hatten sich ein Jahrhundert zuvor sehr
frühzeitig der Reformation angeschlossen und Vertreter aus ihren Reihen hatten nicht
unwesentlich zur Verbreitung der neuen Ideen beigetragen.
Der Reformator selbst hielt sich des öfteren in der Muldestadt auf und Rinckarts
Großvater haue als Ratsmitglied Luther wohl auch persönlich kennengelernt. Als
Archidiakonus haue Rinckart die sonntäglichen Nebengottesdienste durchzuführen und die
sogenannten Katechismuspredigten.
32 Jahre lang unterwies er die Gemeinde und die Jugend im lutherischen Bekenntnis. Im
zweiten Jahr seiner Amtstätigkeit begann der Dreißigjährige Krieg (1618-1648), von dem
sein gesamtes weiteres Wirken in der Muldestadt beeinflußt und geprägt wurde. Während
der gesamten dreißig Kriegsjahre stand er mit einer fast urchristlichen
Glaubensauffasssung seiner leidgeprüften Gemeinde bei und wurde durch sein umfangreiches
literarisches Werk zum glaubwürdigen Zeugen der Schrecknisse und Greuel in seiner
Heimatstadt.
In jenen Jahren erschienen mehrere Dramen aus seiner Feder im Druck, wie z.B. im Jahre
1624 sein Werk
,,Monetarjus seditiosus" oder ,,Dei Müntzerische Bauernkrieg". Wie viele seiner
Amtsgenossen war Rinckart im gewissen Sinne Unternehmer. In Eilenburg stand von alters her
das Braugewerbe in hoher Blüte, besonders nachdem unter Bürgermeister Kuno mit dem
Ausbau der Bergkeller begonnen wurde. Über seine Mutter war Rinckart Brauerbe geworden
und durfte somit den Gerstensaft, damals noch ein Grundnahrungsmittel, herstellen. Für
Rinckart war das Brauhaus eine Quelle seines Wohlstandes, den er in den folgenden schweren
Jahren mit seiner Gemeinde teilte. Als der Krieg bereits 10 Jahre andauerte, schrieb
Rinckart folgende Verse:
Da Teutschland sich bemüht,
sein Mörder selbst zu sein,
Gesetz, Herd und Altar
legt in die Asch hinein!
Sich in sich selbst auffraß,
durch blutiges Beginnen,
Und nun ins zehnte Jahr,
nicht eins davon hielt innen,
Im Vorfeld des herannahenden 100-jährigen Jubiläums der Augsburgischen
Konfession begann der Poet Rinckart den sechsten Teil seines Luther-Zyklusses. Die
Wiederkehr der Übergabe des evangelischen Bekenntnisses zu Augsburg wurde trotz der
ständig drohenden Kriegsgefahr in Kursachsen feierlich begangen. Rinckart würdigte
dieses Ereignis in mehreren Liedern. Seine Lieder wurden wohl während der dreitägigen
Feierlichkeiten von der Kantorei zu Gehör gebracht. Das bekannteste dieser Jubellieder
ist und danket alle Gott". Dieses Lied ließ Rinckart unsterblich werden...
Mit dem Einfall des kaiserlichen Heeres in Sachsen im August 1631 wurden auch Eilenburg
und seine Umgebung für fast zwei Jahrzehnte zum ständigen Kriegsschauplatz.
Immer wieder stellte sich Rinckart mutig den in der Stadt reiche Ernte haltenden
apokalyptischen Reitern in den Weg. Im Jahre 1637 raffte die Pest in der von
Kriegsflüchtlingen überfüllten Stadt nach Schätzungen der Totengräber 8.000 Menschen
hinweg, die allesamt vom einzig verbliebenen Geistlichen Martin Rinckart zur letzten Ruhe
gebettet wurden. Rinckart klagte:
,,Das ganze Land eines Königs Schatz und Eilenburg ohne alle Bürger." Am 21.
Februar 1639 wurde die Stadt von schwedischen Truppen besetzt. Sie forderten 30.000 Taler
Kriegskontribution und drohten bei Nichtzahlung, die Stadt zu plündern und zu
brandschatzen. Außerstande die hohe Geldforderung zu erbringen, begab sich Rinckart als
Bittgänger in das Lager der Schweden. Doch alles Bitten und Betteln half nichts, die
schwedischen Befehlshaber blieben unnachgiebig.
Rinckart rief seine Gemeinde zum Bittgottesdienst, der in seiner ergreifenden Art die
Schweden derart beeindruckte, dass sie die Geldforderung erheblich reduzierten. Diese
Rettungstat Rinckarts findet sich auf einem Monumentalgemälde in der Aula des Martin
Rinckart-Gymnasiums dargestellt. Der lang ersehnte Friedensschluss vom
14.10.1648,derinEilenburgam 3. Dezember von der Kanzel verkündet wurde, löste unter den
Überlebenden ein großes Freudenfest aus. Aufopferungsvoll haue Rinckart seine Gemeinde
durch den Krieg geleitet. Nur wenige Monate danach vollendet sich sein Leben. Er starb am
8. Dezember 1649 und fand seine letzte Ruhestätte im Inneren seiner langjährigen
Wirkungsstätte, der Pfarrkirche St. Nicolai.
Sein literarisches und musikalisches Werk, besonders sein Choral ,,Nun danket alle
Gott" lebt weiter.
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Andreas Flegel

Kossa
Zwischen den beiden Heidedörfern Kossa und Gossa zu unterscheiden, füllt den Sachsen und
-Anhaltern schwer. Ein ,,K" gibt es nicht! Über Gossa mit seiner trutzigen
Wehrkirche haben wir schon geschrieben, von ,,Gosse" ist heute die Rede.
Das Rittergut in Kossa wurde am 29.11.1464 in einem Lehensbrief des
Kurfürsten Ernst und des Herzogs Albrecht zu Sachsen für die Brüder Spiegel zu Gruna
erstmals urkundlich erwähnt. Das Vorwerk zu Kossa existierte schon vor 1464. An die
Adelsfamilie derer zu Spiegel erinnert heute noch die längst ausgediente Wassermühle in
Durchwehna, die den Namen Spiegelmühle führt.
Das Gebiet um Kossa stellte eine unverkennbare Heidelandschaft dar. Undurchdringliche,
urtümliche Wälder, Sümpfe und ausgedehnte Heidewiesen wechselten einander ab.
Die Kurfürsten von Sachsen jagten zu dieser Zeit oft und gern in den Wäldern der
Dübener Heide, wahrscheinlich kommend von den Schlössern Pretzsch und Torgau. Heute
erinnern noch viele Wege an diese Begebenheiten. Der Kurhutweg, der von Söllichau über
Kossa führt und früher weiter bis Wildenhain ging oder der Schwertweg zur
Friedrichshütte, sollen dies als Beispiel belegen.
Das Dorf Kossa sowie die Dübener Heide haben offenbar unter den Begleiterscheinungen und
Folgen des Dreißigjährigen Krieges mehr zu leiden gehabt, als aus den zur Verfügung
stehenden Akten hervorgeht.
Die Verheerungen des langjährigen Krieges hinterließen viele wüste Marken, verbrannte
Dörfer und Städte, aus denen Bewohner nicht selten Dutzende Male vor einfallenden
Söldnern fliehen mussten.
Die Einwohner von Kossa sollen sich in den Wäldern und Sümpfen in Richtung Falkenberg in
der Nähe der Flurbezeichnung Kastenwiese verborgen haben.
Die Landsknechte und Soldaten, vor allem schwedische Soldaten, führten mehr Ritte
gegen die Bauern als gegen den Feind im Felde.
Der Grund ist darin zu sehen, dass die Soldaten sich oft selbst verpflegen mussten
und
durch die Länge des Krieges die Plünderungen von Städten und Dörfern mehr in den
Vordergrund rückten als eigentliche Kampfhandlungen.
Die Bauern ließen sich nicht widerstandslos töten, s4ndern leisteten oft kraftvolle
Gegenwehr, indem Hinterhalte angelegt wurden. Die Frauen und Kinder mussten das Vieh in
sorgsam ausgesuchte Moor- und Waldschlupfwinkel mitführen. Diese Schlupfwinkel waren
durch sogenannte Schutzdorne umgeben.
Umgangssprachlich ist heute bei älteren Leuten die Bezeichnung ,,Schwedentrunk"
bekannt. Gefangene Bauern wurden damit gequält, wenn sie ihre Schlupfwinkel nicht
verraten wollten, indem ihnen mittels eines Trichters Jauche in die Speiseröhre
geschüttet wurde.
Im Jahre 1637 wütete die Pest in Kossa. Der Pfarrer Reineciu trägt in Kossa 1637 in
einem halben Jahr 76 Sterbefälle in das Kirchenbuch ein. Auch im Jahre 1638 hält die
Sterblichkeit an. 1639 ist vermerkt, dass in jenem Jahr niemand gestorben sei und
dass aber nur noch fünf Personen am Leben geblieben sind.
Das Dorf Kossa selbst soll vollends verwüstet worden sein. In den darauffolgenden 40er
Jahren begann das Dorf wieder aufzuatmen und Bauern aus Stellen die wüst blieben,
stellten sich aus den umliegenden Wäldern ein. Die Mehrzahl der Gebäude war aus Holz,
Lehm und Stroh gebaut und daher rascher als die steinernen Gebäude wieder zu
errichten.
Die alte Kirche, die Mitte des 15. Jh. entstanden war, wurde sicherlich auch zerstört,
denn 1694 wurde eine neue Kirche, die die beste in der Parochie Authausen mit Turm, drei
Glocken und guter Uhr war, eingeweiht. Die Kirche in dieser Form bestand bis zum 26. Juni
1936. An diesem Tag hauste ein schweres Unwetter. Der Kirchturm wurde durch Blitzschlag in
Brand gesetzt und brannte ab. Im Jahr 1936/ 1937 wurde der Turm in der jetzigen Form
wieder aufgebaut.
1990 erhielt das Kirchendach rote Dachziegel. Vor drei Jahren bekam der Altar ein neues
Bild, das Herr Hartmann aus Durchwehna malte, es stellt Jesus beim Abendmahl mit seinen 12
Jüngern dar.
So ist Kossa mit seiner prächtigen Kirche heute ein schönes und gepflegtes Dorf. Am
Ortsrand, auf dem Wege nach Durchwehna ist die Siedlung ,,Am Sonnenhang" entstanden,
mit hübschen Häusern haben neue Einwohner die Gemeinde vergrößert. Handwerk und
Gewerbe hat seinen Platz gefunden, Konsum und Bäcker sorgen für das leibliche Wohl und
beim Bauern krähen die Hähne.
Kossa liegt in reizvoller Landschaft, bewaldete sanfte Hügel laden zu Wanderungen ein.
Also lassen Sie sich überraschen, wenn am Ortseingang steht ,,Willkommen im Erlebnis
Dorf'!
Christina Fichtner
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Der Große Teich Torgau
Der Torgauer ,,Große Teich" als größter Teich in Sachsen und
wahrscheinlich auch in Deutschland wurde 1483/84 auf kurfürstlichen Befehl als Fischteich
angelegt. Er hat eine Fläche von 220 ha und ein Wassereinzugsgebiet von zirka 350
Quadratkilometern
Damals wurde dafür ein in Höhe des heutigen Strandbades gelegenes Dorf umgesiedelt Als
Frondienst mussten die Bauern mit Ochsengespannen den ca. 1000 m langen Damm aufschütten.
Der Teich diente damals auch als Wasserspeicher, um im Kriegsfall die Torgauer Burgräben
schnell mit Wasser zu füllen. Heute wird der Große Teich von der
Teichwirtschaft Wermsdorf/Torgau bewirtschaftet Im Teich wachsen Karpfen, Schleie, Welse,
Hechte, Barsche sowie eine große Anzahl von Wildfischen. 1994 wurden während der
Abfischung durch einen Naturschutzexperten 26 verschiedene Fischarten im Großen Teich
nachgewiesen.
Der Karpfen als wichtigster Fisch in unserer Teichwirtschaft wird als zweijähriger Fisch
aus Wermsdorfer oder Torgauer Teichen gefischt und im Großen Teich ausgesetzt. Hier
wächst er in einem Sommer zum Speisefisch heran, um dann auf den Tischen der Fischkenner
bundesweit serviert zu werden. Bereits 1920 wurden Torgauer Karpfen per Bahn und Schiff im
Hamburger Fischmatt und sogar nach London transportiert und verkauft.
Seit 1992 ist der Große Teich zu 2/3 Naturschutzgebiet, da er für viele Tausend
Wasservögel als Brut-, Rast- und Futterplatz dient. So leben hier unter anderem im Sommer
ca. 400 Schwäne und es überwintern 20.000 - 30.000 Gänse. Auch seltene Tiere finden
hier eine Heimat, z.B. der Schwarzstorch, der Biber und der Seeadler Auf dem Gelände der
Teichwirtschaft befindet sich seit 1992 der Biberhof des Naturschutzbundes Deutschland e.
V.
Die Hauptnahrung der Fische sind Wasserflöhe, Insektenlarven und Kleinkrebse. Das
garantiert ein hochwertiges, gesundes Fischfleisch. Somit trägt der Fisch in bedeutendem
Maß zum Nährstoffaustrag aus dem Gewässer bei.
Durch Untersuchungen ist bewiesen, dass der Auslauf der naturnah bewirtschafteten
Fischteiche oft eine bessere Wasserqualität hat als der Einlauf Ist der Sommer vorüber; beginnt das Ablassen des Teiches. Innerhalb von 10 Wochen fließt
das Wasser vom Teich über den Schwarzen Graben und die Weinske bei Dommitzsch in die
Elbe. Wenn im Teich nur noch die Abfischgrube mit Wasser und Fischen gefüllt ist, beginnt
die Karpfenernte.
Wir führen in jedem Jahr die Tradition des Torgauer Fischerfestes fort und laden alle
Interessierten ein. Für unsere Gäste steht im Teich auf einer großen Sandbank ein
Festzeit. Dort können Fischspezialitäten probiert und gekauft werden. Gern können sie
uns Fischern beim Netzauslegen und -einholen sowie beim Fische sortieren und verladen
zuschauen. In Aquarien werden ihnen die Fischarten des Großen Teiches genauer vorgestellt.
Natürlich können sie die gefangenen Fische aller Art am Teich kaufen und frisch
geschlachtet mit nach Hause nehmen. Im Zeitraum Anfang Oktober bis Anfang Mai besteht die
Möglichkeit, Lebend- bzw. Frischfisch Freitags von 14.00- 17.OOUhrund Samstag von 9.00
- 11.00 Uhr direkt auf dem Torgauer Fischereihof zu kaufen. Ganzjährig erwartet sie
Räucherfisch, Frostfisch, Fischsalate sowie Backfisch an unserem Fischimbiss an der
Einfahrt zur Hälteranlage an der B 182. Für Teichbesitzer und Anglervereine bieten wir
verschiedenste Satzfischarten zum Verkauf an.
Thomas Plate
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Kleinod vor historischen Burg - und
Schlossmauern
Der barocke Schlossgarten am Delitzscher Schloss
Die frühere Burg und das spätere Schloss Delitzsch in unmittelbarer Nachbarschaft der
historischen Altstadt stellte traditionell einen Teil der mittelalterlichen Wehranlage dar
Noch heute ist die etwa vier Meter hohe Stadtmauer in 1,4 km Länge erhalten und über die
Hälfte des Stadtgrabens ist noch mit Wasser gefüllt. Zwischen 1389-91 wurde die
Delitzscher Burg erbaut, von der der heutige Schlossturm einen Bestandteil bildet.
Etwa 1550 wurde die Anlage zu einer repräsentativen Renaissanceschlossanlage umgebaut und
diente den sächsischen Kurfürsten als Reiseresidenz und als Verwaltungsmittelpunkt des
kur-sächsischen Amtes Delitzsch. Nach der Schaffung des Sekundogeniturfürstentums
Sachsen-Merseburg wurde das Schloss nach umfangreichen Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen
zum Witwensitz der Herzöge von Sachsen-Merseburg bestimmt.
Es war die Herzogin Christiane von Sachsen-Merseburg, eine geborene Prinzessin von
Schleswig-Holstein zu
Glücksburg, die 1692 hier mit ihrem Hofstaat einzog. Sie ließ 1692/93 in unmittelbarer
Nachbarschaft des Schlosses einen barocken Park in ,,französischer Manier" anlegen.
Ein aus dem Jahre 1734 stammender Plan zeigt die alte Wegeführung und ornamentale
Bepflanzung. Er zählt zu den frühesten barocken Gartenanlagen
im mitteldeutschen Raum und dürfte in seiner Gestaltung einmalig sein.
Seit 1996 wird der barocke Schlossgarten nach historischer Vorlage wiederhergestellt und
ist in seinem ersten Abschnitt für Besucher zugänglich. Die Rekonstruktionsarbeiten
sollen im Jahre 2001 vollständig abgeschlossen sein.
Aber nicht nur der Schlosspark ist ein Besuch wert, auch das im Delitzscher Schloss
eingerichtete Museum birgt eine ungeahnte Reichhaltigkeit an Sammlungsbeständen. Es ist
die größte museale Einrichtung im nordwestsächsischen Raum und bietet neben den
restaurierten Privatgemächern der herzoglichen Familie auch Ausstellungen zur Stadt- und
Handwerksgeschichte, zur ländlichen Hauswirtschaft und zur Kunst. Ein Blick vom 35 Meter hohen
Schlossturm lässt die Sicht bis nach
Leipzig zu.
Öffnungszeiten von Museum, Stadt-Info im Schloss und Barockgarten:
Dienstag bis Donnerstag und Sonntag 10.00-12.00 und 14.00-17.00 Uhr
Dr. Manfred Wilde
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